Weiterempfehlen  

   

Katzengerechte Umfeldgestaltung - Anregungen

Details

 cat playUnsere Samtpfoten haben Bedürfnisse wie wir Menschen. Insbesondere bei reiner Wohnungshaltung suchen wir nach den bestmöglichen Kompromissen zwischen unseren Bedürfnissen und jenen unserer Stubentiger. Fühlt sich unsere Mieze wohl, sind auch wir Menschen glücklich. Anbei einige wichtige Aspekte für ein zufriedenes Katzenleben.

  • Mehr als ausreichend Ressourcen anbieten und diese „streuen“, insbesondere im Mehrkatzenhaushalt. Für angemessene Abwechslung sorgen, damit unserem Stubentiger nicht langweilig wird

  • Wasser und Futter am rechten Fleck und nicht nebeneinander positionieren. Die „Beute“ könnte aus Katzensicht das Wasser kontaminieren.

    Da Stubentiger grundsätzlich wenig trinken, kann man sie durch unterschiedliche und vermehrte Angebote zum Trinken animieren. Die Präferenzen sind sehr unterschiedlich ausgeprägt. Manche mögen bepflanzte Wasserbecken und andere bevorzugen wieder Fließendwasser. Die Samtpfote selbst zeigt, was ihr gefällt.

  • Erhöhte Aussichtsplattformen anbieten, um das Revier ungestört überblicken zu können und um sich sicherer zu fühlen. Wer erhöht sitzt, ist sozial überlegen.

    Die dritte Dimension ist Teil des Reviers unserer Samtpfoten

  • Ungestörte Ruheplätze, Rückzugsmöglichkeiten und Verstecke um sich „unsichtbar“ machen zu können. Allseits beliebt ist ein Fach im Wäscheschrank.

  • Eventuell gesicherte (!) Fensterbretter und Balkone, insbesondere Plätzchen in der wärmenden Sonne finden großen Anklang.

  • Kratzbaum, Kratzmöbel um das Revier zu markieren, aufgestaute Energien, Besorgnis, Angst, Stress, innere Anspannungen abzubauen. Natürlich ebenso um ein wenig zu imponieren, lästige Krallenhüllen abzustoßen und um sich ausgiebig dehnen und strecken zu können (insbesondere Schulter-, Wirbelsäulen- und Zehenmuskulatur. Ausgiebig schreddern zu können erhöht das Wohlgefühl unserer Stubentiger.

  • Dem natürlichen Bedürfnis nach Jagd in Form von Jagdsequenzen des interaktiven Spiels nachkommen. Auf ein Erfolgserlebnis in Form einer „Beute“ sollte nicht vergessen werden.

  • Eine insgesamt katzengerechte und in diesem Sinne anregende, spannende Umfeldgestaltung. Etwa mit Katzentunneln, alternierenden Spielangeboten für interaktive sowie solitäre Spiele, alternativen Futterplätzen, Snackspielzeugen, einem Aquarium, eventuell beruhigender Musik und vielleicht ein Vogelhäuschen vor einem gesicherten Fensterbrett. Balkone und Fenster (inklusive Kippfenster) sind immer gesichert.

  • Rücksichtnahme auf die oft sehr individuellen Bedürfnisse nach Sozialkontakten sowie auf das jeweilige Verlangen nach Nähe und Distanz.

  • Im Mehrkatzenhaushalt Pufferzonen schaffen wie durch Katzentunnel, Schachteln mit seitlichem Eingang und dergleichen, damit direkten Konfrontationen leichter aus dem Wege gegangen werden kann. Mehrbenutzerregelung fördern.

  • Dem Bedürfnis nach sicheren Katzentoiletten mit gutem Überblick über das Revier nachkommen (pro Katze zwei Katzenkisterl, bei zwei Katzen drei Katzenkisterl). Bitte offene Katzentoiletten wählen und mit ausgiebig Streu anbieten. In der geschlossenen Variante fängt sich der Geruch von Urin und Kot. Dies ist für die empfindliche Katzennase eine wahre Zumutung. Die Katze muss sich ungehindert in ihrem Kisterl umdrehen können. Viele im Handel erhältlichen Katzenklos sind zu klein. Die Katzentoilette auf dem Klo entspricht nur selten den Vorstellungen unserer Samtpfote. Wichtig ist zudem die Stabilität der Toilette, damit sie nicht plötzlich wegrutscht.

  • Sichere Pfade zu diversen Ressourcen um etwa Mobbing gegenzusteuern.

  • Gerüche aus der Natur wie Zweige, Steine, Kastanien, Rinden, Blumen mitbringen. Schachteln, Kisten, Papiersackerl (ohne Henkel) finden bei Frau und Herr Katze ebenfalls großen Anklang und sorgt für ein wenig Abwechslung.

  • Katzenminze-, Baldrian- oder Geißblattsessions ab und zu anbieten.

    Katzenminze (catnip) beinhaltet Nepetalacton, das gewisse Ähnlichkeiten mit LSD aufweist. Die meisten Katzen reagieren auf Katzenminze indem sie sich darin wälzen, die Blätter abzupfen und einen ganz besonderen Gesichtsausdruck aufsetzen. Allerdings gibt es auch jene Samtpfoten, die in dieser Phase leichter reizbar sind und sich rascher aggressiv verhalten. Daher ist darauf zu achten, dass kein Artgenosse attackiert wird.

  • Eventuell beruhigende Pheromone, wenn die Katzen diese nicht selbst verteilen

  • Bachblüten oder andere Blütenessenzen zur inneren Harmonisierung

  • ausgewogene naturnahe Nahrung im Sinne der Gesunderhaltung und für ein langes Katzenleben. Zudem erspart hochwertige Ernährung in Folge Tierarztkosten.

Wenn Ihre Katze keinen Freigang hat, bringen Sie ihr wie erwähnt Gerüche aus der weiten Welt mit nach Hause. Sie tun ihrem Stubentiger aus zwei Gründen etwas Gutes, wenn Sie sie regelmäßig mit verschiedenen Duftnoten beschenken. Erstens bringen Sie damit schlicht Abwechslung in ihr Leben. Zweitens fällt es unserer Mieze durch die Erfahrungen mit unterschiedlichen Reizen und Düften umzugehen in Folge generell leichter, auch mit anderen Veränderungen in ihrem Leben klar zu kommen. Frau und Herr Katze immer wieder neue Reize zu bieten, verhilft ihnen flexibler und stressresistenter durch ihr Katzenleben zu wandern. Natürlich sollte dies immer mit Bedacht umgesetzt werden um unsere Samtpfote nicht zu überfordern und neuerliche Besorgtheit zu schüren.


Eine wichtige Erinnerung zur Sicherung des Überlebens!

Balkone, Fenster inklusive Kippfenster sollten zum Schutz der lieben Stubentiger immer vergittert sein. Auch wenn unser ästhetisches Empfinden aufschreien sollte.

 

 

 

Katze als Spiegel des Menschen

Details

 

lilly01Längst ist es kein Geheimnis mehr, dass Katzen und andere Tiere Seelenwesen sind. Außerdem haben Tiere uns voraus, dass ihnen das Ego nicht im Wege steht. Bei einer innigen Bindung vermögen Katzen wie auch Hunde und Pferde mit uns in Resonanz zu treten. Man könnte auch sagen, sie übernehmen Gedanken- sowie Gefühlsbilder von uns und fungieren sozusagen als Spiegel.

Es ist eine Art Liebesakt, dass Katzen unsere Emotionen, Stimmungslagen sowie unser Verhalten widerspiegeln. Sie helfen uns auf diesem Wege uns selbst zu erkennen, unsere versteckten und verdrängten Anteile an das Tageslicht zu befördern. Uralte Denk- und Verhaltensmuster schlummern ebenso in uns wie verdrängter Schmerz oder Traumata. Wir sind uns dessen nur zu oft nicht bewusst. Haben vergessen. Katzen helfen uns indem sie uns lehren genauer hinzusehen und hinzuspüren. Um Katzen in ihrer unglaublich subtilen Kommunikation zu verstehen sind wir fast gezwungen unsere Spürwahrnehmung wachzurütteln und zu verfeinern. In Härtefällen werden unsere Miezen offenkundiger verhaltensauffällig. Indem wir vertrauensvoll annehmen, zulassen und loslassen was in uns Schritt für Schritt zu Tage tritt, können wir langsam aber sicher heilen.

Vielleicht haben Sie bereits von den Spiegelgesetzen gelesen oder gehört? Eines davon möchte ich hier kurz hervorheben.

Spiegelgesetz 1: „Jene Bereiche, die mich am anderen besonders stören, die ich kritisiere oder sogar bekämpfe und anders haben will, all diese Anteile unterdrücke und verdränge ich in Wahrheit in mir selbst.“

Als Beispiel sei hier die mich nervende, unruhig nervöse Mieze genannt. „Was hat sie denn heute nur“, denken wir vielleicht. In derartigen Fällen dürfen wir uns selbst an der Nase nehmen und eine tiefen Blick in unser Innerstes werfen. Was hat mich heute in diesen spannungsgeladenen Zustand versetzt? Wurde ein alter wunder Punkt getriggert? Unbewusst und über das auffällige Verhalten unserer Mieze kann uns dies nun sanft ins Bewusstsein kommen. Unsere Samtpfote führt uns unser eigenes Verhalten vor Augen. Von Tieren können wir manchmal leichter annehmen, immerhin werten und verurteilen sie niemals. Sie nehmen uns an, wie wir sind. Freilich sind Frau und Herr Katze selbst auch nicht vor Dysbalancen gefeit und bringen auch immer ihre eigene Geschichte mit. Daher müssen wir uns dafür hüten zu werten oder zu verallgemeinern.Der Schlüssel zum Erfolg ist unter anderem Eigenverantwortung zu übernehmen und die Opferrolle loszulassen.

Es finden sich so einige Gemeinsamkeiten zwischen Katze und Mensch. Beispielsweise sind Katzen wie wir Menschen rasch besorgt und schätzen Veränderungen wenig. Das Ressourcenangebot muss immer reichlich sein und ihr Sicherheitsbedürfnis gerät rasch in Schieflage. Parallelen finden sich in ihren sehr unterschiedlichen Bedürfnissen nach Nähe und Distanz. Einiges können wir von Katzen lernen. So lassen sie sich beispielsweise nicht verbiegen und sind immer authentisch.

Zudem vermögen Katzen manchmal von uns und für uns Krankheiten zu übernehmen und oder sie machen uns auf eine Erkrankung aufmerksam. Kranke Menschen haben sehr häufig auch leidende Tiere. Umgekehrt weist nicht jede erkrankte Mieze automatisch auf einen ebenfalls kranken Tierhalter hin. Sehr wohl kann sich aber in seinem näheren Umfeld wie etwa in der Familie eine schwere Erkrankung versteckt halten. Zudem kann die Erkrankung unserer Samtpfote ein simpler Hinweis auf unsere belastenden, ungesunden und im wahrsten Sinne des Wortes krankmachenden Lebensumstände sein. Natürlich können sie uns auch „nur“ auf unsere emotionale Schieflage hinweisen, die wir brav zu verdrängen suchen. Voraussetzung ist immer eine enge Bindung zwischen dem Stubentiger und seinem Menschen. Ebenso kann es sein, dass es um das Thema geht, wie wir mit Krankheit und Tod umzugehen pflegen. Vermutlich bedarf diese Thematik in unserem Denken und Fühlen einer dringenden Reform. Stehen wir etwa einer Krebserkrankung mit Ablehnung oder gar unbewusster Angst gegenüber, könnten wir eventuell plötzlich eine Allergie auf die an Krebs erkrankte Katze entwickeln. Natürlich kann ein allergischer Schub ebenso durch Stress ausgelöst werden. Manchmal greift auch die Psychosomatik direkt von uns Menschen auf unsere Stubentiger über. Dort und da leiden Mensch und Katze an eben den gleichen Symptomen. Allerdings spielen immer viele Faktoren zusammen und zudem bringen auch unsere Stubentiger ihre ureigenste Geschichte sowie gewisse Dispositionen mit. Aufgrund der großen individuellen Bandbreite, ist immer jede Situation als absoluter Einzelfall zu betrachten.

 „Wir dürfen immer wieder einen Blick hinter die Kulissen wagen und die Perspektive wechseln.

Denn, nichts scheint so wie es ist oder nichts ist so wie es scheint.“

Mit anderen Worten weisen uns die lieben Miezen nur zu oft darauf hin, wo wir unseren Blick hinwenden dürfen. Was wir uns anschauen sollen. Man könnte auch sagen, sie übernehmen den Part eines Hinweisschildes“. Wir alle haben unsere Themen und unsere Samtpfoten helfen uns diese zu erkennen. Nicht nur das, sie nehmen uns mit all diesen kleineren oder größeren Geschichten immer bedingungslos an wie wir sind. Ein anderes Wort wäre Liebe, so empfinde ich das. Über unsere Samtpfoten können wir unsere eigenen Gefühle zulassen, auch wenn diese einmal nicht so wunderbar sind. Sich selbst zu spüren kann sehr heilsam sein und in solch Prozessen fungieren unsere Stubentiger nur zu oft als wahre Herzöffner und Seelentröster. Wir brauchen ihnen nichts zu erklären und dürfen ihnen gleichzeitig alles erzählen. Unsere stillsten Geheimnisse, Ängste und Sorgen sind bei ihnen in den allerbesten Pfoten.

Manche Samtpfoten agieren schlicht als unsere Wegbegleiter. Insbesondere wenn wir ansonsten alleine durch das Leben wandern, kann dies unglaublich stärkend wie beruhigend wirken. In jedem Fall schenkt uns jede einzelne Mieze viele freudvolle Glücksmomente. Sie motivieren uns wunderbar unser Sein zu genießen, uns fröhlich zu fühlen und herzhaft zu lachen. Ist es nicht immer wieder herzerfrischend, wenn unsere Stubentiger voller Lebensfreude durch das Haus tollen oder sich „Streiche“ einfallen lassen? Tiere und Kinder verfügen noch über die Fähigkeit ohne besonderen Grund spontan und fröhlich ganz im Hier und Jetzt zu sein. Wir haben die Chance von beiden zu lernen.

In diesem Zusammenhang, dass uns Katzen in vielen Bereichen den Weg weisen und uns auf wichtige Themen oder Muster in uns hinweisen, die es zu betrachten sowie anzunehmen, zu lösen und loszulassen gilt, ist die Verbindung zu dem jeweils erkrankten Organ interessant. Hier am Beispiel der Leber, das ich als ein äußerst dankbares und faszinierendes Organ schätze. Sie stellt die Frage in den Raum: „Wie gehe ich mit meinem Leben um". Die Leber ist aber auch Sitz für Zorn und Wut. Des weiteren werden in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) emotionale Aktivitäten bestimmten Organen zugeordnet. In diesem Sinne wird Freude dem Herzen, Ärger sowie Wut, Zorn und Hass der Leber, Nachdenklichkeit der Milz, Besorgtheit sowie Trauer der Lunge und Angst sowie Schrecken und Panik den Nieren zugesprochen. Folglich schwächen bis schädigen Wut, Ärger, Zorn und Hass unsere Leber.

Kurz möchte ich Bruce Lipton in seinem  Buch „Die intelligente Zelle“ zitieren. "Zellen sind keine Autisten", sagt Lipton, "sie reagieren auf die Umwelt."

Interessant ist unter anderem seine Erkenntnis, dass nur 5 % unseres Tuns sowie unserer Entscheidungen willentlich von unserem Bewusstsein gesteuert werden. Die restlichen 95 % unserer Anschauungen und Glaubenssätzen sind unbewusst. Nach Bruce Lipton wurden sie bereits in den ersten sechs Lebensjahren in unser Unbewusstes programmiert. Daraus lässt sich erkennen, dass das Programm geändert werden muss. In diesem Sinne verfügen wir über die Fähigkeit uns auf allen Ebenen selbst zu heilen.



KATZEN und LERNEN ?

Details

 

katze1













































"Katzen, diese Wesen, haben die unmenschliche Geduld der Erde; das ist ein Jahr, was für den Menschen nur eine Sekunde."


(Christian Morgenstern)

 

Da Lernen in der Natur überlebenswichtig ist, sind Frau und Herr Katze keineswegs davon ausgenommen. Die Lerntheorien machen daher auch vor unseren Miezen nicht halt. Dennoch werden sie häufig in ihrem Lernvermögen unterschätzt. Aus dem schlichten Grund, weil sie selbst entscheiden, wann sie was, wie und wo lernen wollen. Ihre Eigenwilligkeit gepaart mit Eigenständigkeit und ihre Selbstbestimmtheit sind schlicht bewundernswert. Manchmal erscheinen sie in ihren Entscheidungen etwas sprunghaft zu sein. Man könnte auch sagen, sie lieben die Spontanität wie die Kinder. Wieder etwas, das wir von ihnen lernen dürfen. Aber wer weiß, vielleicht machen sich unsere Samtpfoten sogar einen kleinen Spaß daraus, nicht für ihre Menschen auf Knopfdruck zu hüpfen und zu springen oder gar in eine Art „Kadavergehorsam“ zu verfallen wie es Hunde oft zu eigen ist.

Der Trend in der Evolution zielt unmissverständlich auf die immer stärkere Entwicklung des Lernvermögens. Man spricht hier von einem so genannten „offenen Programm“, wo reichlichst Spielraum für individuelle Erfahrungen bleibt. Der natürliche Selektionsdruck richtet sich insgesamt auf eine raschere Anpassungsfähigkeit, denn wer anpassungsfähig ist hat immer die besseren Überlebenschancen. Dieser ist allerdings in den verschiedenen Funktionskreisen unterschiedlich stark ausgeprägt. In den mannigfachen sozialen Bereichen ist die Anpassungsfähigkeit eher gering und auf ökologischem Gebiet am größten ausgebildet.

„Nur weil ein Tier nicht auf Knopfdruck tut, was Mensch will, heißt dies noch längst nicht, dass es dumm oder unintelligent wäre“

Gerade Katzen folgen nur zu oft ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen. Eine besorgte Katze noch intensiver, denn sie muss weit mehr ihrem Drang nach Selbsterhalt Folge leisten. Ein interessantes Detail am Rande ist die Verringerung des Gehirngewichtes als Folge des Domestikationsprozesses. Dies obgleich unser allseits geliebter Stubentiger keineswegs vollends domestiziert ist.

Als Einzelwesen Katze, gehen Samtpfoten unter natürlichen Bedingungen im Laufe ihres Lebens nur zu oft alleine ihres Weges. Daher ist es äußerst sinnvoll, bereits mit einigen Wochen so viel wie möglich im sicheren Kreise von Geschwistern und Mutter zu lernen. Abgesehen davon finden in dieser Lebensphase zahlreiche wichtige Reifungsprozesse statt. Wie bereits in Kapitel 1.1. „Einzelwesen Katze: Samtpfoten´s Entwicklung – ein Abriss“ beschrieben, öffnet die besonders hohe Sensibilität für bestimmte Thematiken in den frühen Entwicklungsphasen Tür und Tor für eine schnelle sowie nachhaltige Aufnahme lebenswichtiger Lerninhalte. Daher auch wieder mein Rat, Katzen lieber etwas länger im Familienverband zu belassen. Da Lernen an sich bis ins hohe Alter stattfindet, ist später zwar nicht alles jedoch zumindest einiges möglich. Die Intensität der Aufnahmefähigkeit, des Lernens, des Übens und des Umsetzens bestimmter Themenbereiche findet sich allerdings später nicht im gleichen Maße wie in den frühen Lebensphasen wieder. Ebenso ergeht es der Nachhaltigkeit des frühen Erwerbs wesentlicher Inhalte. Wie bei unseren Menschenkindern so erhalten auch unsere Kätzchen in der frühen Entwicklung ein Rüstzeug für den Rest ihres Lebens mit. Zuerst gibt man ihnen stabile Wurzeln um ihnen anschließend zu helfen Flügeln wachsen zu lassen. Auch unseren Miezen gebührt die Chance, zu souveränen, selbstsicheren und ausgeglichenen Katzenpersönlichkeiten heranwachsen zu können.

Beispiele unterschiedlicher Lernformen

  • Lernen durch Versuch und Irrtum

  • Lernen durch Einsicht

  • Gewöhnung

  • Nachahmung

  • Prägung (siehe auch Exkurs „Prägung“)

  • Klassische Konditionierung

  • Operante Konditionierung

Wir alle lernen unentwegt“

Anders ausgedrückt: „Lernen findet immer statt“

  • Hat ein Verhalten Erfolg, wird es wieder angewandt

  • Bringt es nicht den erwünschten Erfolg, wird es irgendwann eingestellt

  • Ist ein Verhalten gefährlich wie durch negative oder schmerzhafte Konsequenzen, wird es besser nicht gezeigt und oder eventuell nur kurzfristig unterdrückt

  • Ist es ungefährlich und führt vielleicht sogar noch zu positiven und angenehmen Konsequenzen, kann man es getrost immer und immer wieder zum Einsatz bringen.

  • Bringt es einem ein gutes Gefühl und Vorteile, wird es regelmäßig zur Anwendung gebracht.

Exkurs Phänomen Prägung

Bei der Prägung handelt es sich um ein Phänomen, das mich bereits in meiner Kindheit faszinierte, als ich die Bücher von Konrad Lorenz wälzte. Zum Ursprung des Begriffs der „Prägung“ verwies bereits Konrad Lorenz 1935 auf die geleistete Arbeit von Oskar Heinroth auf diesem Gebiet. Der Begriff der „Prägung“ wurde zwar von Oskar Heinroth bereits geprägt, allerdings hatte auch dieser in Douglas Alexander Spalding (1840-1877) einen mehr als würdigen wegbereitenden Vorgänger. Er beschrieb bereits im Jahre 1873 wissenschaftlich vollkommen korrekt das Phänomen der Prägung. 1890 wurde Douglas Alexander Spalding von William James in seinen „Principles of Psychology“ zitiert. Aus diesem Grund gilt Spalding auch als der eigentliche Entdecker der Prägung, zumindest im englischen Sprachraum. Es sei allerdings angemerkt, dass dieses Phänomen an sich schon länger bekannt war. Thomas Morus beschrieb es etwa in seinem Werk „Der utopische Staat“. Auch Tierzüchtern dürfte es bekannt gewesen sein, wenn sie Küken anderen Müttern als ihre leiblichen unterschoben.

Definition

Bei der Prägung handelt es sich um einen sogenannten obligatorischen Lernvorgang, der sich auf ganz bestimmte Verhaltensweisen bezieht. Dieser kann in der Ontogenese nur einmal und zwar in einer sogenannten „sensiblen Phase“ stattfinden. Der Prozess ist irreversibel und späteres Umlernen ist daher nicht möglich. Grob wird zwischen Objektprägung und der motorischen Prägung unterschieden. Zudem kann man Prägung von Lernen und dem Prozess des Reifens zusätzlich abgrenzen.

In den sogenannten „sensiblen Phasen“ sind die Schleusen für rascheres intensiveres sowie irreversibles Lernen ganz bestimmter Inhalte um vieles weiter geöffnet. Man kann sie sich vereinfacht ausgedrückt als Zeitfenster für ganz bestimmte Lernerfahrungen vorstellen. Bei dieser einzigartigen Form des Lernens, der sogenannten „Prägung“, behalten Lebewesen die erworbenen Inhalte Zeitlebens. Sie sind nicht wieder zu löschen. Derartige „Prägungserscheinungen“ in den „sensiblen Phasen“ sind auf bestimmte Altersstufen beschränkt. Meist finden sich diese in frühen Entwicklungsstufen (wie etwa die bereits beschriebene zweiten bis siebente Lebenswoche unserer Stubentiger) und sind nur relativ kurz. In diesen Phasen ist die maximale Lernfähigkeit gegeben. In der Natur hat alles einen Sinn, so auch die frühen „sensiblen Phasen“. Denn, solange das Kätzchen im wohl behüteten wie sicher geschützten Familienverband eng mit seinen Artgenossen lebt, hat es die besten Möglichkeiten wie Voraussetzungen zügig wesentliche und äußerst nachhaltige Erfahrungen und Kenntnisse für den Rest seines Lebens zu sammeln.

Ein bekanntes Beispiel aus der Verhaltensforschung (Ethologie) sind die Untersuchungen zur „Nachfolgeprägung“ der Graugänse von Konrad Lorenz. Der Gänsenachwuchs lernt erst nach der Geburt wer die Mutter ist. Den Küken ist das Mutterbild nicht angeboren, wenn man so will. Daher nähern sie sich instinktiv in den ersten Lebensstunden jedem beliebigen Objekt ihres näheren Umfeldes, das sich bewegt und regelmäßige Lautäußerungen absondert. In diesem Fall war es Konrad Lorenz und die Gänseküken folgten ihm, wie normalerweise ihrer Mutter. Man kann in diesem Zusammenhang auch von „Fehlprägungen“ sprechen. Wie bereits beschrieben sind „Prägungen“ irreversibel.

Sogenannte Fehlprägungen finden wir ebenso bei der „sexuellen Prägung“. Diese sind insofern interessant, weil der Zeitraum zwischen der „Prägung“ auf das jeweilige Objekt bis zur Ausführung des Verhaltens relativ groß sein kann. Mit anderen Worten ist die „sensible Phase“ längst abgeschlossen, ehe das Verhalten auftritt. In diesem Fall ehe das Tier sexuell aktiv wird. Meine mit der Hand aufgezogene Dohle „Habakuk“ war auf mich „sexuell fehlgeprägt“. Dies erfuhr ich aus der Literatur von Konrad Lorenz, die ich als junges Mädchen verschlang. Ich wunderte mich, dass all meine Auswilderungsversuche fehl schlugen und wollte wissen warum. Da Dohlen Einehen eingehen, blieb ich für „Habakuk“ der männlicher Part in dem Gespann. Sehr berührend und ich hoffe sehr, sie hatte dennoch ein gutes Leben. Zumindest flog sie nie davon und kam nach ihrem täglichen Freiflug uneingeschränkt vertrauensvoll zu mir. Ansonsten lebte sie in einer Voliere im Garten um vor den Katzen geschützt zu sein, vor denen sie keinerlei Scheu zeigte.

„Das Hirn ein wenig auf Trab gebracht, denn denken macht bekanntlich müde“

Wenn wir unserer Samtpfote etwas beibringen möchten, machen wir uns die Lerntheorien zu nutze. Es muss sich für Frau und Herr Katze auf die eine oder andere Art lohnen, etwas Neues zu lernen. Mit anderen Worten muss es für unseren Stubentiger Sinn machen und sei dieser ein besonderer Happen Futter. Katzen sind sehr intelligente Beutegreifer, die gerne lernen, sofern es ihnen einen Vorteil bringt. Dies lässt sich unter anderem wunderbar daran ableiten, dass sie mit Freude neue Strategien bei der Jagd entwickeln. Wenn man mit seiner Samtpfote Neues einübt, gezielt trainiert, verlieren unsere Stubentiger rascher das Interesse, haben oft eine geringere Ausdauer als etwa Hunde. Um Frustrationen zu vermeiden, wählt man kurze Trainingseinheiten. Unsere Kreativität ist immer wieder gefordert, Frau und Herr Katze bei der Stange und ihre Motivation wach zu halten.

Das sogenannte Clickertraining (Markertraining) etwa ist eine ausgezeichnete Methode um unserem Stubentiger eine interessante Beschäftigung sowie Abwechslung zu verschaffen. Zudem lassen sich unsere Samtpfoten mit dieser für Katzen sehr geeigneten Technik sanft erziehen.

Die natürlichste Beschäftigungsvariante für das Raubtier Katze ist die Jagd, am besten in dem wir einer Beuteattrappe Leben einhauchen und mit unserer Mieze ganze Sequenzen des Jagdablaufes durchspielen. Immerhin haben wir uns einen spezialisierten Beutegreifer ins Wohnzimmer geholt, dem wir auf diese relativ einfache Art nicht nur wahre Glücksgefühle schenken, sondern auch dazu verhelfen, ihr Katzenwesen auszuleben. Katzen mit Freigang holen sich ihre Jagdobjekte zumeist im Garten, im nahen Wald oder auf der Wiese. Eine kleine Spieleinlage dort und da macht aber auch diese Miezen froh und verbessert eine angeschlagene Katze-Mensch-Beziehung.

 

Bei allen Maßnahmen die wir zur Anwendung bringen, sollten wir uns immer überlegen, was unsere Samtpfote lernen soll"

Ob der hohen Sensibilität unsere Samtpfoten möchte ich Folgendes betonen. Eine ohnedies bereits gestresste oder auch nur besorgte Katze wird durch lauteres Schimpfen oder Bestrafen nur noch mehr verunsichert. Zudem wird die Bindung an den Menschen belastet bis geschädigt. Bestraft man ein Verhalten, wird es nur unterdrückt. Eine Art Lücke eröffnet sich, die wir mit einer Alternative zu füllen haben. Mit anderen Worten, wenn wir ein Verhalten unterbrechen, dann sollten wir unserem Stubentiger eine reizvolle andere Handlungsweise offerieren. Die schonenste Variante ist das Ignorieren der unerwünschten Verhaltensweise sowie parallel eine lohnenswerte schmackhafte Alternative anzubieten und diese konsequent zu bekräftigen. Diese Methode zeigt durchaus tiefgreifende Erfolge, erfordert allerdings von uns Geduld, Nachsicht und Durchhaltevermögen sowie Konsequenz. Wir könnten diese sinnvolle Trainingsmethode durchaus auch als Übungsfeld für uns selbst wahrnehmen.

Da diverse Tipps und Tricks wie etwa das doppelseitige Klebeband oder generell die "anonyme Bestrafung"  immer mit viel Fingerspitzengefühl und nie leichtfertig eingesetzt werden sollten, gehe ich hier nicht näher darauf ein. Hierzu berate ich lieber im konkreten individuellen Einzelfall.




Qualzuchten

Details

2008-10-11.wwallsnord.78Es ist kein neues Thema, dennoch scheint es nicht an Aktualität zu verlieren. Für mein Dafürhalten führte ein gar seltsames Schönheitsempfinden zu krank machenden Auswüchsen in der Hundezucht. Vor rund 100 Jahren schauten viele Rassen noch ganz anders aus als heute. Unter anderem wirkten sie in ihrem Körperbau insgesamt häufig "leichter". Wenn die Veränderung nur die Optik beträfe, könnten wir es dabei belassen. Leider sind die gesundheitlichen Folgen schon längst nicht mehr unter den Teppich zu kehren. Der Bewegungsapparat ist ebenso oft beeinträchtigt wie die Schädelform und insbesondere die Nasenlänge. Das Kindchenschema setzte sich bei manchen Rassen zum Leidwesen von Mops & Co zu sehr durch. In diesem Zusammenhang werde ich auf die Brachyzephalie beim Hund etwas näher eingehen. Auf dem Foto ist eine wunderschöne Hundenase zu sehen, wie sie sein soll. Allein die Größe der Nasenlöcher gewähren einen kleinen Einblick, dass es sich hier aller Wahrscheinlichkeit nach um ein gut funktionierendes Organ handelt.

Ganz allgemein werden kurzköpfige Hunde als brachyzephal bezeichnet. Das Wort „brachis“ heißt kurz und „cephalus“ heißt  Kopf. Vielleicht hat der eine oder andere bereits von „Hydrocephalus“ = „Wasserkopf“ gelesen oder gehört. Er kommt auch bei uns Menschen vor. Bei Hunden gibt es Rassen, mit besonderen Neigungen zu einem Hdyrocephalus wie etwa der Chihuahua. Der Zwergwuchs fordert seinen Tribut.

Brachyzephalie bei unseren Hunden hat sich keineswegs auf natürlichem Wege entwickelt. Sie wurde vielmehr durch eine gezielte Zuchtauswahl forciert um das Kindchenschema mehr und mehr hervor zu heben. Insbesondere die Nase und das Unterkiefer wurden zu diesem Zweck im Zuge der Zuchtauswahl mehr und mehr verkürzt. Die für uns so süßen Stubsnasen konnten auf diesem Weg auch die erwachsenen Tiere behalten. Die Nasenhöhle wurde dermaßen verkleinert, dass die Nasenmuscheln fehlgestaltet ausgebildet werden und folglich in die ansonsten freien Atemwege hineinwachsen und diese verstopfen. Nicht umsonst sprechen wir in diesen Fällen von "Qualzucht".

Der Schädel des Hundes wird soweit verändert, dass es zu Deformationen aller oberer Atemwege, dem Gebiss, dem Mittelohr, den Augen und dem Gehirn kommt. Mittlerweile ist es kein Geheimnis mehr, dass kurzköpfige Hunde sehr häufig Probleme mit ihren oberen Atemwegen bekommen. Zusammengefasst werden diese unter dem Begriff Brachyzephales Atemnot-Syndrom (BAS). Typisch sind hier etwa verengte Nasenlöcher und Nasenhöhlen, ein verlängertes und verdicktes Gaumensegel sowie Veränderungen des Kehlkopfes. Mit etwas Glück findet man nur ein einzelnes dieser Merkmale, allerdings können auch alle gemeinsam auftreten. In jedem Fall wird die Atmungsfunktion beeinträchtigt. Dies führt zu einer  unterschiedlich lauten, schnarchenden Atmung bis hin zu hochgradiger Atemnot, Blaufärbung der Schleimhäute (Zyanose) und kann bei einem Kollaps enden. Hunde verfügen ohnedies über eine verhältnismäßig schlechte Thermoregulation. Brachyzephale Hund sind verständlicherweise noch mehr belastet. Bei wärmeren Temperaturen wie im Sommer, verschlechtern sich die Symptome und so sind Erstickungsanfälle nicht selten.

Rassen mit besagten zuchtbedingten Beeinträchtigungen fallen unter die sogenannten „Qualzuchten“. Von Brachyzephalie hauptsächlich betroffen sind der Mops, französische sowie englische Bulldogge, Shi-Tzu, Pekingesen, Boston Terrier und Boxer. Selbstverständlich gibt es auch Hunde dieser Rassen, die kaum bis keine Beschwerden aufweisen. Die Ausnahmen bestätigen die Regel. Zudem finden wir Brachyzephalie bei manchen Rassekatzen wie der Perserkatze und Exotic Shorthair. Auch bei ihnen kann es zu einer ausgeprägten Atemnot kommen.

Imgrunde wundert es mich nicht, dass meinem Hund alle schaufend, schnarchenden Rassen äußerst suspekt erscheinen. Imgrunde ist es ein sehr unnatürliches Verhalten und zeugt von einem „kranken“ Tier. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie wir Menschen erkennen können, dass unser Hund an Atemnot leidet. Alle schnarchenden Atemgeräusche, besonders im wachen Zustand, sind bereits ein Hinweis auf eine unnatürliche Verengung der oberen Atemwege. „Normale bzw. gesunde“ Atemwege verursachen weder in Ruhe noch bei angestrengter Atmung ein Schnarchgeräusch. Außerdem hecheln brachyzephale Hunde häufiger, sie können nur schlecht und teilweise gar nicht durch die Nase atmen und sind dementsprechend weniger belastbar. Das sollten wir immer berücksichtigen, wenn wir einer dieser Rassen ein Zuhause schenken. Viele von ihnen haben zudem beim Schlafen Atemprobleme. Desweiteren können Probleme bei der Nahrungsaufnahme auftreten, da diese Hunde während des Fressens nicht ausreichend Luft holen können. Dies alles kann soweit gehen, dass brachyzephale Hunde bei Stress, Wärme, Anstrengung, Belastung und im fortgeschrittenen Stadium, ohnmächtig werden und einfach umkippen. Dies alles ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Wie geht es denn uns, bei Atemnot? Dies ist eine Situation, die als lebensbedrohlich wahrgenommen wird. Imgrunde also eine massive Angstsituation und damit eine enorme Stressbelastung.

Dementsprechend ist Schnarchen in diesen Zusammenhängen als eindeutig gefährlich einzustufen. Falls jemand meinen sollte, dass das Schnarchen bei all diesen kurzköpfigen Rassen ein Laut des Wohlgefühls sei, irrt gewaltig. Ebenso unwahr sind Erklärungen wie etwa jene, dass es sich um Kommunikationslaute handelt. Es sollten dahingehend auch keinerlei Vergleiche wie etwa mit dem Schnurren der Katze oder vielleicht dem Grunzen des Schweines angestellt werden. Das Schnarchen dieser Rassen ist kein natürliches Verhalten. Es zeugt von einem „kranken“ Tier. Denn, alle Einengungen der oberen Atemwege, die zu schnarchenden oder pfeifenden und ähnlich seltsamen Geräuschen führen, zeigen eine Verlegung der Atemwege.

Wie bereits erwähnt verfügen unsere Hunde generell über eine schlechte Thermoregulation. Sie können nicht im gleichen Maße schwitzen wie Menschen. Wir machen es uns leicht, wenn es im Sommer heiß ist. Das Wasser unserer Schweißdrüsen wird über den ganzen Körper verteilt und verdunstet. Auf diesem sehr einfachen Weg entsteht die „Verdunstungskälte“, die ihrerseits das Blut in der Haut herabkühlt. Ein tolles System.

Anders verhält es sich bei bei Canis lupus familiaris und zugleich handelt es sich um das gleiche Prinzip. Unser Hund hechelt und nutzt ebenfalls das Prinzip der Verdunstungskälte. Zumindest jener mit einer „gesunden und normale Nase“. Denn seine Nase ist ein wahres Wunderwerk von feinsten Nasenmuscheln und dementsprechend verfügt er hier über eine große Fläche. Durch die Nasenmuscheln fließt die Einatemluft und erzeugt auf der durch Drüsen befeuchteten Oberfläche die Verdunstungskälte. Bei Brachyzephalen Tieren, sind die Nasenmuscheln derart verkleinert und kaum belüftet, wodurch die Thermoregulation nicht mehr funktionieren kann. Aus diesem guten Grund sind brachyzephale Rassen bei Hitze besonders gefährdet. Sie sind generell wärmeempfindlicher und benötigen nach einer Belastung eine längere Erholungsphase.

Es ist nahe liegend, dass diese Form der Atemprobleme nicht irgendwann einfach verschwindet. Immerhin liegen hier deutliche Missbildungen vor. Nicht zu unterschätzen sind die Folgen eines zu engen Atemwegsausganges in der Nase und der damit zu hohe Atemwiderstand. Im Laufe der Jahre führt dies zu einer mechanischen Schädigung des Gewebes im Rachen- und Kehlkopfbereich. Das Gewebe kann sich verdicken und in Folge werden die Atemwege immer weiter eingeengt. Naheliegenderweise nehmen die Beschwerden dadurch zu.

Interessant sind Vergleiche von Mops, Bulldoggen & Co vor rund 100 Jahren. Seiner Zeit machte der Mops einen recht athletischen Eindruck und besaß noch eine Nase. Dann kam der Mensch mit seinen oft recht eigenwilligen Schönheitsidealen. Alles in der Natur hat ihren Sinn und dementsprechend erfüllt auch die Nase einen sehr wichtigen Zweck.

Es gibt Möglichkeiten die Atemwegsprobleme dieser Qualzuchten zu behandeln. Dennoch sollten sie zuerst einmal verhindert werden. Operationen stehen bereits fast an der Tagesordnung. Hierbei werden das Gaumensegel verkürzt, die zu engen Nasenöffnungen erweitert und bei manchen Hunden werden im Kehlkopf die hervorgetretenen Kehlkopftaschen entfernt. Allerdings führen diese Operationen nicht immer zu den erhofften Erfolgen, insbesondere bei einer extremen Brachyzephalie. Man nimmt an, dass eine wichtige Ursache für die Atemnot die Verstopfung der zu kleinen Nase darstellt. Mit Hilfe der Laserchirurgie kann man hier Abhilfe schaffen und einen neuen freien Atemweg schaffen.

Wie so oft, bleibt es durch die strenge Zuchtauswahl meist nicht allein bei diesen Problemen. Häufig finden wir weitere Fehlentwicklungen. So ist etwa die Zunge bei vielen Hunden im Verhältnis zur Größe der Maulhöhle zu groß, die Knorpel in Kehlkopf und Luftröhre sind besonders beim Mops sehr weich und können kollabieren, häufig finden wir Zahnfehlstellungen. Bulldoggen leiden zusätzlich oftmals an einer Hypotrachea. Das ist eine Luftröhre, die im Durchmesser zu klein ist. Bei vielen Hunden ist zudem die Speiseröhre vor dem Herzen erweitert. Seit langem wissen wir über die häufigen Schwergeburten bei brachyzephalen Rassen sowie um ihre häufig auftretenden und meist chronischen Haut- und Augenprobleme. Die Französischen Bulldoggen zeigen zudem vermehrt angeborene Veränderungen der Wirbelsäule. Außerdem zeigen Untersuchungen, dass Möpse und Bulldoggen zu schweren Fehlbildungen von Gehörgang und Mittelohr neigen.

Bei alledem sollten wir bedenken, dass unsere Hunde obligate „Nasenatmer“ sind. Sie MÜSSEN durch die Nase atmen und entscheiden sich nicht freiwillig dazu wie wir Mensch dies vermögen. Canis lupus familiaris benötigt seine Nase nicht allein zum Atmen und Riechen, sondern er regelt auch seine innere Körpertemperatur über die Nasenatmung.

Aus diesen guten Gründen sind zuchtbedingte Veränderungen der Nase mehr als kritisch unter die Lupe zu nehmen und nicht zu unterstützen. Die natürliche, gesunde Nase des Hundes ist lang. Jede Verkürzung kann zu Einschränkungungen lebensnotwendiger Funktionen führen und in Folge die Gesundheit sowie das Wohlbefinden ein Leben lang beeinträchtigen.

Über viele Jahrtausende wurden Hunde für bestimmte „Zwecke“ oder für einen speziellen „Gebrauch“ gezüchtet. Erst seit rund 100 Jahren gibt es neben den Gebrauchshunden auch sogenannte Schaurassen. Der Gebrauchshund ist meist der gesündere, denn er muss zumindest so gesund sein, um seinen Bestimmungszweck zu erfüllen. Stehen allerdings äußere Merkmale im Vordergrund und fehlt gleichzeitig die Herausforderung, dass bestimmte Aufgaben erfüllt werden müssen, besteht immer die Gefahr, dass die Gesundheit darunter leidet.

Meiner Ansicht nach bedarf hier so einiges einer dringenden Reform in der Hundezucht. Es geht nicht an, dass wir Tiere krank züchten. Solange internationale Rassestandards gesundheitswidrige Elemente enthalten, wird weiterhin die Zucht kranker Hunde und Katzen gefördert. Ein „runder“ (Mops) oder „quadratischer“ (Französische Bulldogge) Kopf schließt Tiere „mit Nase“ von der Rassezucht aus und entspricht einer Aufforderung zur Qualzucht.

 

Hier noch ein paar weitere Auswüchse krankmachender Hundzucht

Zwergwuchs wie etwa bei dem Chihuahua: Veranlagung zu Bandscheibenvorfällen, Wasserkopf, persistierende Fontanelle, Atemstörungen, Fehlstellung von Knochen und Gelenken, Patellaluxation, Schwergeburten, Stoffwechselerkrankungen (Fettlebersyndrom), Legg-Calve-Perthes-Erkrankung (=Zerstörung des Oberschenkelkopfes), atlantoaxiale Subluxation (= unvollständige Ausrenkung der Halswirbel, was zu einer kompletten Lähmung der Extremitäten führen kann), Trachealkollaps (=Zusammenfallen der Luftröhre), haemorrhagischer Gastroenteritis (= blutige Magendarmentzündung). Zwergwuchs finden wir auch bei Yorkshire Terrier, Pekingese, Brüsseler Griffon, Papillon und anderen. 

Riesenwuchs wie etwa bei dem Irischen Wolfshund: Veranlagung zu chronisch degenerativen Gelenkserkrankungen (HD, ED ua.), Panostitis eosinophilica (= schmerzhafte Knochenerkrankung wachsender Hunde großer Rassen), erhöhte Dispositionen zu Osteosarkomen (=bösartige Knochentumore), Herz. Ebenfalls finden wir Riesenwuchs bei der Dogge, Bernhardiner, Mastiff und anderen.

Wie viel Fleisch benötigen Katze und Hund?

Details

cat and dog Gemeinhin werden Katzen und Hunde als "Fleischfresser" bezeichnet. Dies resultiert aus der Tatsache, dass beide einen hohen Bedarf an den im Fleisch enthaltenen hochwertigen Proteinen beziehungsweise an bestimmten Eiweißbausteinen = essentielle Aminosäuren, aufweisen. Allerdings gibt es zugleich deutliche Unterschiede zwischen Katze und Hund betreffend ihres Bedarfs an essentiellen Aminosäuren sowie ebenso bezüglich des Stoffwechsels und ihres jeweiligen Jagd- und Fressverhaltens.

Katzen = Karnivoren = strikte Fleischfresser

Mehr als Hunde sind Samtpfoten auf Nährstoffe angewiesen, die wir nur im tierischen Gewebe vorfinden. Dementsprechend benötigen Katzen einen Eiweißanteil von 93% in ihrer Nahrung.

Hunde= Karni-Omnivoren = fleischorientierte Allesfresser

Bei einem überreichem Angebot können Hunde auf pflanzliche Nahrungsquellen ausweichen. Hunde benötigen einen Anteil von rund 50-70% Fleisch und fleischige Knochen in ihrer Nahrung. Der Rest fügt sich aus Gemüse, Obst, Kräutern und ein wenig Getreide (am besten glutenfrei) zusammen. Zudem vertilgen sie gerne den Kot von Pflanzenfressern wie Pferden. Die besagten 50% beziehen sich auf eine noch näher beschriebene Studie (siehe weiter unten) um den schwedischen Genforscher Erik Axelsson, die darauf schließen läßt, dass Hunde auch mit einem 50:50 Verhältnis sehr gut zu leben verstehen. Dies bedeutet eine ausgewogene Mischung aus Fleisch/Fleischknochen einerseits und Gemüse, Obst, Getreide (am besten glutenfrei) und Kräutern andererseits.

      Ein kurzer Darm bei Katzen und Hunden sowie aggressive Verdauungssäfte dienen zur Fleisch-, Knorpel- und Knochenverdauung.

Dennoch stellt Fleisch weder für Katzen noch für Hunde ein Alleinfutter dar. Ernährung ist vielmehr ein Puzzle. Wesentlich ist, dass nicht nur das Muskelfleischt nährt, sondern dass auch die Innereien, die Knochen und Knorpel unverzichtbar sind. Die Verdaulichkeit und der Nährwert des Fleisches sind vom jeweiligen Bindegewebsanteil abhängig.  Es gibt allerdings auch hier wieder Unterschiede zwischen Katze und Hund. So verfügen unsere Samtpfoten über einen sensibleren Stoffwechsel und haben wie bereits erwähnt, einen höheren Proteinbedarf als Hunde. Des weiteren fressen Katzen in einem geringerem Maße als Hunde, Eingeweide. Selbst eine sehr hungrige Samtpfote läßt grundsätzlich die bitter schmeckende Galle von ihrem Mahle über. Wie gesagt verschmäht sie häufig auch weitere Eingeweide sowie manchmal Kopf und Schwanz. Der Inhalt von Magen und Darm ist dennoch nicht zu unterschätzen. Hierbei handelt es sich um die bereits vorverdaute und überwiegend pfanzlichen Nahrung der Beutetiere.

Thema Domestikation Hund: Dr. Dorit Feddersen-Petersen (deutsche Verhaltensbiologin) bringt es auf den Punkt: „Kein Organ ist gleich geblieben, selbst das Hautwachstum hat sich im Laufe der Domestikation gewandelt. Der Hund ist ein domestizierter Wolf, aber die beiden sind so extrem verschieden, dass man nicht immer mit dem Wolf ankommen sollte, wenn man über Hunde spricht. Domestikation ist ein tiefgreifender, genetischer, verändernder Prozeß.“

"Die bereits erwähnte Studie um den schwedischen Genforscher Erik Axelsson zeigte, dass Hunde Kohlehydrate viel besser verarbeiten können als seine wilden Vorfahren (→ dies ist bereits in den Genen unserer Hunde verankert)." "Hunde und ihre Ernährungsweise haben sich gleichzeitig mit dem Menschen evolutionär entwickelt.“ „Die Veränderung vom Mitglied im Wolfsrudel zum Familienmitglied beinhaltete mehr als sich das Talent anzueignen, sich mit dem Menschen zu verstehen", sagt der Genforscher Erik Axelsson von der Universität in Uppsala, Schweden. Er und seine Forschergruppe verglichen die DNA von Hund und Wolf um herauszufinden, welche Gene wichtig für die Domestizierung waren. Dabei fanden sie Gene, die an der Entwicklung des Gehirns, des Nervensystems sowie des Fett- und Stärkestoffwechsels beteiligt sind. Genomunterschiede also, die zum einen zur Erklärung der geringeren Aggressivität des Hundes verglichen mit dem Wolf dienen könnten und zum anderen auf einen veränderten Verdauungsmechanismus hinweisen. Die Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass der Hund Stärke – dem Hauptnährstoff in Getreide wie Reis oder Weizen – um ein Fünffaches besser verdauen kann als der Wolf. Die Domestizierung vom Wolf zum Hund ging offensichtlich insbesondere mit einer Umstellung auf stärkehaltige Nahrung einher. Das Forscherteam betont, dass diese Entwicklung beim Menschen und seinem besten Freund anscheinend sehr ähnlich verlief. Die Anzahl der Kopien dieser Gene variiert nämlich auch bei Menschen.“ http://www.nature.com/nature/journal/vaop/ncurrent/full/nature11837.html


FERTIGNAHRUNG vs FRISCHE KOST

Über die rechte Ernährung unserer Haustiere streiten sich die Geister der Gelehrten bereits seit Jahren. Ich will hier zum Denken anregen und vielleicht des Menschen Selbstwert dahingehend aufrichten, mehr auf sein Gespür zu hören sowie Eigenverantwortung zu übernehmen. Wir dürfen die Aussagen von Großkonzernen hinterfragen. Sofern Tierärzte keine Zusatzausbildung bezüglich Ernährung erworben haben, dürfen wir auch hier kritisch sein. Immerhin geht es um das Wohl unseres geliebten Vierbeiners. Ich persönlich halte es mit der Aussage: "Nahrung ist die beste Medizin" - für Mensch und Tier gleichermaßen. Hierbei meine ich frische natürliche oder zumindest eine naturnahe und möglichst schonend zubereitete Nahrung.


TROCKENFUTTER (Trofu)

Bei Trofu wird die Zusammensetzung in absteigender Folge ausgelobt. Das heißt, jener Bestandteil, der an erster Stelle steht ist am meisten im Produkt enthalten. Großteils handelt es sich hierbei um ein Pflanzenmehl. Die wichtigsten Bestandteile sind heute oftmals Mais, Sojamehl und der gemahlene Abfall aus Hühnerschlachtereien. Bindemittel, fragwürdige Fette u.v.m. sind leider Alltag in dieser „Nahrung“. Hunde und Katzen lieben den Geruch von Fett und sind damit leicht zu „verführen“. Zur Konservierung werden häufig Bakteriengifte eingesetzt. Es stellt sich die Frage, was die Bakterien des Darms dazu sagen? Zudem ist die Herstellung mit einem äußerst brutalen Umgang der Nährstoffe einhergehend. Enzyme, Bakterien, Nährstoffe können diese Prozedur kaum überleben. Für mich stellt Trockenfutter eine sterile sowie tote "Nahrung" dar, die mehr Schaden denn Nutzen bringt. Daher kann ich Trofu nicht empfehlen.

Trockenfutter kann selbstredend kein Frischfleisch mehr enthalten. Demgegenüber enthalten Fleisch und Gemüse rund 78% Zellwasser. Darin sind alle Vitamine, Eiweiße, Enzyme, Mineralstoffe etc. gelöst und können so von dem kurzen Darm rasch aufgenommen werden. In Trockenfutter finden wir kaum noch etwas davon. Leitungswasser kann das Zellwasser wohl kaum ersetzen und inwieweit dieses hochwertige Nährstoffe aus der Trockenmasse herauslösen kann, ist für mich mehr als fraglich.

Da weder Hund noch Katze genügend Wasser bei Trockenfutterfütterung aufnehmen, führt diese Ernährungsweise zu „Wassermangel“ und damit zu einer geringeren Bildung von Harn. Daraus resultiert eine zu hohe Säure- und Mineralstoffkonzentration im Harn. Die erhöhten Säurewerte können Nierenschäden nach sich ziehen. Die Mineralstoffe können kristallisieren und als Folge zu Nierensteinen und Harngrieß oder Blasengrieß führen. Zudem kann weniger Speichel produziert werden. Dies kann in Kombination mit Zucker und Getreide Zahnsteinbildung begünstigen. Katzen trinken als ehemalige Wüsten- und Steppentiere ohnedies wenig. Sie decken ihren Flüssigkeitsbedarf über die Nahrung. Daher sind sie von den Folgen am schlimmsten betroffen. Nur ein Kater von uns wurde nierenkrank und nur er fraß regelmäßig zusätzlich Trockenfutter (nicht als Alleinfutter!). Während meiner seinerzeitigen Tätigkeit in der Ambulanz des Tierspitals an der Veterinärmedizinischen Universität Wien, fielen mir die vielen nierenkranken Katzen ebenso auf wie Stubentiger mit Nierensteinen und Harngrieß. Zudem verblüffte mich der Kreislauf von Trockenfuttergabe und bei den darauf folgenden Erkrankungen die weitere Empfehlung für diverse Diätfuttermittel, die weder Hund noch Katze zu heilen vermochten. "Da kann doch etwas nicht stimmen", dachte ich mir. Unsere Katzen am Lande waren nie in diesen Maßen krank und wir hatten über die Jahre hinweg sehr viele Katzen. All das machte mich auf die Ernährungsproblematik unserer Samtpfoten, insbesondere bei reiner Wohnungshaltung, aufmerksam. Katzen fangen unter natürlichen Bedingungen 12 bis 16 Mäuse am Tag. Entsprechend sind ihre Mägen klein und entsprechend nehmen sie viele kleine Mahlzeiten am Tag zu sich.

 

Dr. Jutta Ziegler: Bei Trockenfutterfütterung ist es dem fleischorientierten Allesfresser Hund nicht möglich, eine gesunde Darmflora aufzubauen. Der Grundstein kann bereits durch die fehlernährte Mutter gelegt werden, die beim Geburtsvorgang und später durch das stete Belecken und Putzen der Welpen und Kitten, ihre Darmflora mit ihren wichtigen Bakterien und Enzymen „weitergibt“. Ist ihre Darmflora bereits geschädigt, kann sie nur diese weiterreichen. In einer geschädigten Darmflora liegt ein großes Übel. Dies wissen wir bereits aus dem Humanbereich und ist natürlich bei unseren Haustieren nicht anders. Der gesunde Darm ist etwa  für ein starkes Immunsystem unabdingbar. Nicht zuletzt begünstigt hingegen ein geschädigter Darm sowie die daraus resultierenden Fehlgärungen unter anderem Allergien.

 

DOSENNAHRUNG

Hier gilt die 4% Regel. Das heißt, dass nur 4% der namensgebenden Zutat in der Dose enthalten sein muss. Mir stellt sich nun die Frage: "Welche Anteile des Tieres ergeben die 4% und woraus besteht der Rest?"

Selbstverständlich gibt es im Handel auch Dosennahrung mit einem höheren Prozentsatz des namensgebenden Fleisches. Zusätzlich sind weitere Kriterien zu beachten, wie etwa die Art der Konservierung. Neben Hocherhitzung und chemischen Konservierungsmaßnahmen werden bei industriell hergestelltem Tierfutter häufig auch synthetische Vitamine (Vitamin A,E,C) zur Konservierung  eingesetzt. Diese können auch bei BIO-Nahrung zu diesem Zweck zugefügt werden.  Nichts von alledem ist empfehlenswert.


BEISPIEL

Herkömmliches Fertigfutter für Katzen und Hunde – ein Abriss

4% REGEL: Wie bereits erwähnt besagt diese Regel, dass von der namensgebenden Zutat nur 4% enthalten sein muss. So muss etwa ein sogenanntes „Huhn-Menü“ nur 4% irgendwas vom Huhn enthalten.

Zudem sind diverse tierische Nebenprodukte wie Federn, Hörner, Hufe, Klauen, Häute und Felle etc. ebenso legal wie Füllstoffe aus Pflanzenabfällen wie etwa Erdnussschalen, Blätter, Stängel, Holzmehl, Rückstände aus Pressen etc..

Tiermehl kann ein Produkt aus allen tierischen Nebenprodukten sein. Allerdings ist es schwer nachvollziehbar was tatsächlich darin enthalten ist. Selbst bei Tierfleischmehl ist unklar, wie viel „Fleisch“ sich darin befindet. Dem Gesetzgeber genügen einige Moleküle.

Damit dies dann auch gut aussieht, kommt jede Menge Farbe, Bindemittel hinein. Unmengen an Aromen, Duftstoffen, Geschmacksverstärker, Salz, Zucker, Süßstoffen etc. sind keine Seltenheit. Derart viele chemische Zusätze haben unweigerlich gesundheitliche Folgen. Zudem sind diverse bakterientötende Chemikalien (Konservierung, Antioxidant), die zusätzlich die Darmflora schädigen können, nicht außer Acht zu lassen. Hier möchte ich kurz anmerken, dass viele chemische Zusätze auch uns Menschen keineswegs zuträglich sind.

Substanzen unter einem bestimmten Grenzwert müssen nicht deklariert werden, weil sie da ja nicht wirken. Aus diesem Grund können mehrere Zusatzstoffe unter dem Grenzwert vorhanden sein. Auf der Dose steht dann trotzdem „ohne Konservierungsstoffe“. Sie müssen ebenso nicht deklariert werden, wenn sie den technischen Zweck nicht erfüllen.

Daher wäre es sinnvoll auf der jeweiligen Verpackung zu verzeichnen, dass auch jene Stoffe nicht enthalten sind, die nicht deklarationspflichtig sind. So machen es verantwortungsbewusste Unternehmer.

 

BESTANDTEILE im Überblick

Rohprotein steht für Eiweiß, wobei es dem Gesetzgeber egal ist, ob es sich hierbei um pflanzliches oder tierisches Eiweiß handelt. Bei tierischem Eiweiß ist es wiederum egal, ob es aus Fleisch oder Federn stammt. Allergien auf Eiweißstoffe können sich daher auf diese pflanzlichen Eiweiße beziehen. Bei Allergien ist eine Futterumstellung immer anzuraten. "Künstliche Diätfuttermittel" sind nicht die Lösung des Problems. Die Ursachen werden nicht behoben.

Fett: Dem Gesetzgeber ist es egal, um welches Fett es sich handelt. Unter anderem sind auch Transfette erlaubt, also aus verschiedenen Ölen gemischte chemisch gehärtete Fette die gesundheitsschädlich wirken, indem sie die Zellwände verhärten.

Rohfaser sind die nicht verdaulichen Anteile von Pflanzenstoffen, etwa „Pflanzliche Nebenprodukte“ wie Pflanzenmehl (im Unterschied zu Getreidemehl) und pure Holzzellulose (geriebenes Holz).

Rohasche sind die nichtflüchtigen Mineralien. Rohasche ist der Anteil eines Futters, der übrig bleibt, wenn man es bei sehr hohen Temperaturen (550°C) verbrennt. Dies sind alle Mineralstoffe mit Nährstoffcharakter.

Fleischmehl: Es gibt keine gesetzlichen Bestimmungen bezüglich des erforderlichen Anteils des Fleisches im Mehl. Mit anderen Worten brauchen nur ein paar Moleküle von Geflügel im sogenannten Geflügelmehl enthalten sein. Der Rest ist fragwürdig.

Feuchte entspricht imgrunde Wasser. Im Fleisch und Gemüse sind mind. 75% Zellwasser. Bei jedem Produkt, das mehr als diese 75% aufweist ist zu vermuten dass einfach mit Wasser aufgefüllt wurde.

Taurin (Katzen): Tierärzte sind der Meinung, dass Taurin ins Katzenfutter gehört. In Muskelfleisch (Herz) ist aber genug davon vorhanden.


Die Frage ist, wozu Zusatzstoffe gut sein sollen. Welcher Mangel besteht in so manch Fertigfutter, dass diverse Substanzen künstlich hinzugefügt werden müssen? Der Zusatz von Mineralstoffen ist bei hochwertiger Nahrung unnötig, solange im eigenen Saft gegart wird. Vitaminzusätze sind unnötig, wenn unter Luftabschluss und auf möglichst niedriger Temperatur gegart wird. ABER, die schonenste Garung hilft wenig, wenn die Rohstoffe minderwertiger Natur sind.

Die meisten am Markt befindlichen industriell hergestellten Fertigfutterfuttermittel enthalten ZU VIEL an Zusätzen diverser synthetischer Mineralstoffe und Vitamine. Zum Beispiel sind die Überversorgung mit synthetischen Vitaminen (A) und Mineralstoffen (Calcium und Phosphor) signifikante Faktoren bei der Entstehung der Osteochondrose und der Hüftgelenksdysplasie.       (Dr. Jutta Ziegler)

Bei biologisch artgerechter Rohfütterung (BARF) sowie bei einer hochwertigen „naturnahen“ Nahrung sind etwa Calcium und Phosphor in ihre natürlichen Bioverfügbarkeit enthalten. Vitamin D reguliert den Calcium-Phosphorstoffwechsel und ist für die Resorption des Calciums und des Phosphors aus dem Darm zuständig.

Die höchste Bioverfügkarkeit finde ich in frischer Nahrung wie bei der biologisch artgerechten Rohfütterung (BARF), auch wenn hier die Meinungen auch wieder auseinander gehen. Durch Kochen etwa, verändern sich die Proteine. Insbesondere bei Katzen rate sich zumindest 2- 3 mal pro Woche zu frischen rohen Fleischmahlzeiten.


WARUM so viel CHEMIE, Konservierungsstoffe...?

Weil: Fett wird ranzig, Eiweiß fault, Getreide schimmelt...Konservierung muss unweigerlich toxisch sein, um Pilze und Bakterien zu vernichten. Hier stellt sich die gute Frage, inwieweit dies auch die Darmbakterien betrifft? Die Verstoffwechslung diverser synthetischer Zusätze (auch von Zucker, Speisesalz, Auszugsmehlen) benötigt viel Energie, viele Mineralstoffe und Vitamine, die dann wiederum fehlen und zu Mangelernährung führen kann. Chemische Zusätze wie für Farbe, Glanz, Bitterinhibitoren, Emulgatoren, Klebstoffe, künstliche Vitamine als Antioxidant, Stabilisatoren oder zur Umrötung (Pökelsalz) ...sind keine Seltenheit.

Heute genügen allgemeine Bezeichnungen wie „Konservierung“.

Vorsicht: „Keine Konservierung“ kann bedeuten: „aggressive, ebenso gut konservierende Antioxidantien wie BHT (Butylhydroxitoluol, E321)“.


Beispiel:

„Ohne Zuckerzusatz“ - „OHNE“ Angaben sind mit Vorsicht zu genießen

„KEINE Farbstoffe“ - Wie steht es mit Pökelsalzen zur Aufhellung für ein appetitliches Rosarot?

„Ohne Zusatz von Aromastoffen“ - wie steht es mit Bitterinhibitoren, Geschmackverstärkern, Salz?


WO ist die Garantie, dass auch jene Chemiestoffe, die nicht deklariert zu werden brauchen, nicht enthalten sind?

 

Stoffwechsel

Unter Stoffwechsel versteht man im Organismus die Aufnahme und den Transport von körperfremden Stoffen – die Nahrung – und ihre Umwandlung in körpereigene Stoffe. Hierzu zählen die Verdauungsvorgänge, die Zerlegung und der Neuaufbau von Nährstoffen in den Zellen, aber auch die Energiegewinnung für den Körper. Mit anderen Worten baut der Organismus aus körperfremden Substanzen körpereigene auf. Für mein Dafürhalten handelt es sich um eine unglaubliche chemische Fabrik, die unsere Unterstützung verdient.

Rascher als gedacht kann es auch zu viel des Guten an chemischen Substanzen sein, wie wir sie in geballter Ladung nur zu oft in herkömmlicher Fertignahrung vorfinden. Wohin dann mit den Abfallprodukten, mit den nicht verwertbaren oder gar teils giftigen Substanzen? Es sei nicht zu vergessen, dass Gesundheit der Normalzustand ist. Der Organismus ist bemüht sich zu regulieren, um diesen Normalzustand zu erhalten oder wieder herzustellen. Dies kann auch manchmal auch über den Weg einer Erkrankungen sein. Die gute Nachricht ist, Zellen können regenerieren. Sofern man ihnen die Chance einräumt. Diese beginnt damit, dass keine Schadstoffe mehr zugeführt werden, die Zellen "entgiften" können und Vitalstoffe in Form hochwertiger Nahrung zugeführt werden. Den Entgiftunsprozess kann man zudem unterstützen.

Außerdem ist die Bioverfügbarkeit bei chemischen Zusätzen mehr als fragwürdig. Ein bereits geschwächter Organismus verliert die Möglichkeit zu kompensieren und daher kippt sein „System“ rascher. Wenn man so will, hält ein gesunder Organismus einfach nur mehr aus und länger durch. Leider geht das Spiel von Generation zu Generation weiter und die Tiere sind heute bereits viel jünger krank als ihre Vorfahren. Dafür ist natürlich die medizinische Versorgung unserer Tiere besser.

 

Wo soll der Körper hin mit all den chemischen Zusätzen?

Störungen im sensiblen Stoffwechsel

Speicherung in diversen Zellen wie Fettzellen

Versuch zu entgiften

 

Entgiftet wird über alle dem Körper zur Verfügung stehenden Möglichkeiten wie etwa

Ohren - Neigung zu Ohrenentzündungen

Augen – Augenausfluss, Verfärbung des Felles

HAUT und FELL – von Juckreiz über öligen, struppiges, übelriechendes Fell

 

Darm – Enzymmangel führt zu Fehlgährungen. Diese setzen Stoffe frei, wodurch die Darmwand durchlässiger werden kann. Größere Moleküle können in den Organismus, in die Blutbahn kommen und zu Immunreaktionen führen. So werden unter anderem Allergien etc. Tür und Tor geöffnet. In weitester Folge kann es zu Verhaltensstörungen kommen. Da es sich hierbei um Prozesse handelt, zeigen sich die negativen Auswirkungen oft erst nach Jahren. Daher ist meine Devise, besser bereits im Vorfeld auf eine gesunde und frische Nahrung zu achten.

Auch Hund und Katze sind was sie essen. Nahrung ist die beste Medizin und am besten bereits prophylaktisch zur Anwendung gebracht.

Natürlich sind ebenso eine liebevolles Heim, Bewegung wie Beschäftigung für ein glückliches Leben Grundvoraussetzung! Stress, Dauerstress führt unweigerlich über kurz oder lang zu Erkrankungen. Die Psychosomatik ist auch bei unseren Tieren nicht außer Acht zu lassen. Zudem stehen Mensch und Tier in Resonanz. Gegenseitige Stimmungsübertragungen sind die Folge und soll wertfrei betrachtet werden.


Wichtig

Haltbarmachung durch schonende Garung in der Dose, im eigenen Saft, unter Luftabschluss. So bleiben die wichtigen Nährstoffe erhalten (1 bis 3 Monate Umstellungsphase, Rückvergiftung möglich). Nur hochwertige Rohstoffe werden verarbeitet.

VOLLDEKLARATION: es sind auch jene Stoffe deklariert, die vom Gesetzgeber nicht deklariert werden müssen.

NICHT auf den Preis alleine verlassen! Der Inhalt zählt. Ich kann mit so manch Produkt teuer füttern, weil aufgrund zahlreicher Füllstoffe und Wasser wenig Nährstoffe enthalten sind und ich die Menge daher erhöhen muss.

 

MEIN TIPP: Ein Unternehmen des Vertrauens unter die Lupe nehmen und von diesem naturnahe Nahrung beziehen. Diese findet man großteils nur online oder in kleinen ausgewählten Geschäften. Der mündige Konsument und verantwortungsvolle Tierhalter ist gefragt. Ein österreichisches Unternehmen wäre etwa die Firma PANEON.

Auch unser eigener aus dem Tierschutz übernommener Kater, benötigt kein Diätfutter mehr. Durch die Nahrungsumstellung auf eine frische natürliche Ernährung produziert er keinen Harngrieß mehr. Ich kann nur jedem ans Herz legen, die Ernährung seines Vierbeiners zu überdenken und lieber ein wenig überkritisch zu sein. Würden denn Sie sich ausschließlich von Trockennahrung oder Dosennahrung ernähren? Insbesondere wenn Sie wüssten, was alles darin enthalten ist?

Jeder will zweifelsfrei das Beste für sein Tier. Auch ich ließ mich blenden und fütterte im guten Glauben und aus Unsicherheit vor Jahren Trockenfutter. Ich fürchte meinem Hund damit einen Leberschaden zugefügt oder zumindest den Grundstein gelegt zu haben. Vertrauen wir mehr auf unsere Instinkte, unser Bauchgefühl und nicht blind darauf, was uns manch Futtermittelhersteller etc. vorbeten. Zumindest ich vertraute damals zu wenig mir selbst und wollte auch nur das Beste für meinen Hund. Heute ist er 13 und hat einen Leberschaden.


Buchtipp

Dr. Jutta Ziegler "Hunde würden länger leben wenn..."

Hans-Ulrich Grimm "Katzen würden Mäuse kaufen"

www.paneon.net


MIAU,MIAU,MIAU-Vokalisieren der Katze - ein Abriss

Details

 

katzenmutterglckMiau ist nicht gleich Miau. Es gibt unterschiedliche Gründe und Ursachen für ein vermehrtes Vokalisieren unserer Stubentiger. Daher ist es für mich als Tierpsychologin sehr wichtig zu erfahren, WIE dies Miauen im Einzelnen aussieht, WANN es vermehrt gezeigt wird, WIE die Sequenzen sind, WIE der Mensch bisher darauf reagierte, WELCHE Maßnahmen bereits gesetzt wurden und ob eventuell weitere Verhaltensauffälligkeiten beobachtet wurden.

Selbstverständlich zählt Miauen grundsätzlich zum Normalverhalten von Frau und Herr Katze. Auch wenn deutliche rassespezifische (orientalische Rassen etwa sind gesprächiger) sowie individuelle Unterschiede vorliegen, bringen Katzen großteils uns Menschen zuliebe ihr Miauen zur Perfektion. Wir Menschen kommunizieren überwiegend verbal und reagieren daher auch rascher auf verbale Signale unserer Haustiere. Katzen passten sich uns Menschen an, denn untereinander kommunizieren sie überwiegend über andere Kommunikationsformen wie etwa über Gerüche und körpersprachliches Ausdrucksverhalten.

 Katzen erreichen mühelos, was uns Menschen versagt bleibt: durchs Leben zu gehen, ohne Lärm zu machen.“ (Ernest Hemingway)

Durchaus kann es sich bei vermehrt auftrendem Vokalisieren auch um eine Verhaltensauffälligkeit, eine Verhaltensstörung oder eine dahinter liegende organischen Erkrankung handeln.

An oberster Stelle steht daher eine genaue tierärztliche Abklärung, denn auf organischer Ebene gibt es verschiedene mögliche Ursachen, wie

  1. Taubheit

  2. Senilität, Demenz

  3. Schilddrüsenerkrankungen

  4. Erkrankungen des ZNS (inklusive Tumore)

  5. Bluthochdruck

  6. Schmerzhafte Erkrankungen

Da die Ursachen mannigfaltig sein können, sind nach dieser Abklärung Art, Zeit und Häufigkeit sowie die Rahmen- und Umfeldbedingungen des Auftretens aussagekräftig. Verhalten ist immer ein sehr komplexes Geschehen und daher grundsätzlich im Gesamtkontext zu betrachten.

  • Ist das Miauen eher melodiös und tritt es vorwiegend im Beisein des Tierhalters auf? Denn dann deutet es auf Kommunikationsverhalten hin, das uns die Katze schenkt. Zumeist wurde dieses Verhalten bewusst oder unbewusst von uns verstärkt. Zudem wird insbesondere bei Katzen, die viel Zeit alleine verbringen, oftmals auch Bestrafung als Zuwendung und Aufmerksamkeit wahrgenommen. Miauen kann sich rasch zu einem nach Aufmerksamkeit heischendem Verhalten entwickeln und ist nur schwer wieder zu löschen. Katzen lernen bekanntlich schnell und haben uns noch rascher um ihre hübsche Kralle gewickelt.
  • Tritt das Miauen nur ab und wann auf, eher nachts oder eher tagsüber? Miaut der liebe Stubentiger überwiegend wenn er alleine gelassen wird, dann kann es sich um eine Angststörung handeln oder um ein ausgeprägtes Abhängigkeitsverhältnis zum Menschen. Ebenso kann die Ursache in Demenz und Senilität liegen.
  • Neben dem fast melodiös klingendem Miauen von Frau und Herr Katze gibt es auch ein eher jaulend, monoton klingendes Miauen. Es fühlt sich für uns oft als sehr unangenehm an und deutet häufig auf eine ernsthafte Störung oder Erkrankung (psychisch oder physisch) unserer Samtpfote hin. Ebenso kann sich auch hier wieder Senilität und Demenz als Ursache entpuppen oder sich eine instrumentalisierte Form des Miauens dahinter verstecken.
  • Wichtig ist zudem, wie anhaltend und häufig Frau und Herr Katze ihre Stimme einsetzen.
  • Viele Katzen sind schlicht einsam und oder müssen in reizarmer begrenzter Umgebung ihr Dasein fristen. Viele verbringen den lieben langen Tag alleine und sind auch nachts von ihrem Menschen getrennt. Katzen sind soziale, wenn auch nicht immer gesellige Zeitgenossen.
  • Angststörungen können auch bei Katzen auftreten, die bis dato Freigänger waren und dann in einer kleinen Wohnung leben sollen. Hier können sich Spannungen und Stress in der Mieze aufbauen und das Miauen hilft ihnen sich zu beruhigen. Zudem versuchen sie damit den Menschen zu motivieren hinaus gelassen zu werden. Diese Katzen wirken ein wenig wie getrieben und man spürt ihre innere Anspannung. Häufig zeigen sie unruhiges Umherwandern und Schwanzschlagen. Bei solchen Samtpfoten können situationsbedingt rascher aggressive Verhaltensweisen gezeigt werden.
  • Selbstverständlich spielt auch die Jahreszeit eine wesentliche Rolle beziehungsweise jene Zeiten der Paarungsbereitschaft und sexuellen Stimuliertheit. Katerkampfgesänge und die Melodien einer rolligen Katze bleiben einem ebenso unvergesslich in Erinnerung wie das Geplaudere zwischen einer Mutterkatze und ihrer Kitten. Des weiteren geben Kätzinnen unterschiedliche Laute von sich, je nach dem ob sie dem Nachwuchs eine Maus oder eine Ratte bringen (Prof.Dr. Paul Leyhausen).
  • Schmerzenslaute sollen freilich auch nicht unerwähnt bleiben.

 

Beispiele für Maßnahmen, die Fingerspitzengefühl erfordern

So sind ausreichend Kratzmöglichkeiten zum Spannungs- und Stressabbau und zur Reviermarkierung an den richtigen Stellen genauso essentiell wie Spieltherapie und eine angemessene katzengerechte Umfeldgestaltung.

Mit anderen Worten dürfen wir auch hier wie bei jeder Verhaltensauffälligkeit, die Ursache finden und diese beheben. Bei den rassebedingten Plaudertaschen dürfen wir uns an der Kommunikationsfreude unsere Samtpfoten erfreuen. Aufmerksamkeitsheischendes Verhalten ist generell besser nicht zu unterstützen.

Wir arbeiten auch hier wieder auf verschiedenen Ebenen mit unserer Samtpfote. Alles andere ist vergebene Liebesmüh´. Selbstredend ist Bestrafung absolut kontraproduktiv.

Es gibt wieder einen Pool an Werkzeugen um Mensch und Tier zu einem harmonischen Miteinander zu verhelfen. Ohne die aktive Mitarbeit des Tierhalters geht es auch in diesem Fall nicht. Oft ist ein Umdenken und Umlernen des Menschen erforderlich, damit es zu einer Verhaltensänderung kommen kann. Bewusste und unbewusste Bestätigungen des unerwünschten Verhaltens etwa müssen unterlassen werden. Das ist oft schwerer getan als gesagt. Ein vollberufstätiger Tierhalter hat oft schlicht zu wenig Zeit für seine vierbeinigen Mitbewohner. In solch Fällen ist eine kompatible (!) Partnerkatze anzudenken bzw. ist es oft der verantwortungsvollste Weg, einen neuen guten Platz zu suchen und zu finden. In jedem Fall bedeutet es Zeit, Geduld, Konsequenz und auch eine Portion Gelassenheit um Erfolge zu erzielen.

 

Da die Maßnahmen immer individuell abgestimmt werden, kann ich hier keinen allgemein gültigen Therapieplan erstellen.

 

 

 

Katzengesellschaft - Einblicke

Details

 katerMittlerweile haben sich Frau und Herr Katze zum beliebtesten Haustier Österreichs entwickelt. Lange Zeit hielt man Katzen für unsoziale Einzelgänger. Unsere Samtpfoten belehrten uns etwas Besseren und daher nehmen auch jene Katzenhaushalte mit mehr als einem Stubentiger zu. Wenn bei der Gruppenzusammensetzung das Alter, Geschlecht sowie das natürliche Wesen und Verhalten der Katze unberücksichtigt bleiben, sind Probleme vorprogrammiert.

Katzen sind als Säugetiere grundsätzlich sozial veranlagt, allerdings nicht immer gesellig. Unter frei lebenden Hauskatzen kann man zwei grundlegende soziale Ordnungen beobachten:

  1. Matriarchalisch aufgebaute Familiengruppen

  2. Bruderschaften

ad 1) Matriarchate:  Die Töchter von sozialen Müttern bleiben häufig in einer Gruppe zusammen und gemeinschaftlich werden die Jungen aufgezogen. Es sind natürlich soziale Verbände aus Müttern, Großmüttern, Tanten, Schwestern und Töchtern. Gemeinsam schützen und verteidigen sie den Nachwuchs und das Revier.

ad2) Bruderschaften: Mit der Pubertät der Kater oder besser gesagt, wenn sich die Katzenfamilie von alleine zwischen 6 und 8 Monaten auflöst, werden die jungen Kater aus der Gruppe ausgeschlossen, vertrieben oder wandern von selbst ab. Im Sinne der Verhinderung von Inzucht ist dies biologisch äußerst sinnvoll.  

Zitat zum Thema Bruderschaft von Prof. Dr. Paul Leyhausen (1916-1998):

Nach anfänglichen Kämpfen stellt sich so zwischen denjenigen, die sie bestehen und nicht völlig besiegt und unterworfen werden, eine formale Rangordnung ein, und zusammen beherrschen sie ihrer aller Gebiet als eine Art Bruderschaft. Sie treffen sich in freundlicher Gesellschaft“.

Bei besagter „Bruderschaft“ handelt es sich um nichts Magisches. Vielmehr schließen sich Kater einer Umgebung zu einer Art „Katerbündnis“ zusammen. Im Kreise einer „Bruderschaft“ scheinen die Kater einander in etwa ebenbürtig zu sein. Das ist natürlich einer friedlicheren Koexistenz förderlich und wirkt sich ebenso bei etwaigen Rivalenauseinandersetzungen durchaus positiv aus. Gemeinsam fungieren die unkastrierten Kater quasi als Machthaber eines Gebietes. Im Vorfeld muss sich Herr Kater allerdings erst einmal bewähren, um überhaupt in dieses Bündnis aufgenommen zu werden. Man kann dies mit einer Art Aufnahmeritus vergleichen, das über einen längeren Zeitraum verläuft. Im Zuge dessen bildet sich innerhalb der Katerbündnisse keinesfalls eine starre Hierarchie, viel mehr stellt sich eine formale Randordnung ein.

Sozial reife Kater leben meist allein und durchstreifen die Territorien von mehreren Kätzinnen und Familiengruppen. In regelmäßigen Abständen treffen einander die Kater der Bruderschaft zu friedlichen Stelldicheins.

Die Bindung und der Zusammenhalt in einer sozialen Gruppe werden durch einen gemeinsamen GRUPPENGERUCH (Sippen-, Gemeinschaftsgeruch) erhalten. Auch nur vorübergehend abwesende Katzen können etwa durch einen Tierarztbesuch diesen Gruppengeruch verlieren, werden dann nicht als zugehörig erkannt und unter Umständen wie „Fremde“ aggressiv behandelt oder angegriffen.


WELCHE Katzen ab WANN?

  1. Gleich und gleich gesellt sich gerne, sagt man Katzen zumindest nach. Daher sollten die Tiere etwa gleich alt und bevorzugt gleichgeschlechtlich sein. Ausnahmen bestätigen die Regel. Auch Katzen mit ähnlichen Fellfärbungen harmonieren angeblich besser. Kätzinnen bevorzugen Objektspiele, wohingegen Kater Kampfspiele vorziehen. Mit dem Einsetzen der Pubertät des Katers sind Kätzinnen mit dem rauen Spiel der Kater oft überfordert oder können zumindest ordentlich genervt sein.

  2. Am besten übernimmt man seine Kätzchen ab der Pubertät, also ab dem 5./6. bis 8. Monat. Das Mindestalter sollte meiner Ansicht nach 16 Wochen nicht unterschreiten. Ab der Pubertät sind die Tiere viel besser sozialisiert und auf allen Ebenen "ausgereift". Diese Miezen haben die besten Karten, sich zu einer rundum gesunden sowie souveränen Katzenpersönlichkeit zu entwickeln. Voraussetzung ist natürlich, dass sie in dieser ersten Lebensspanne angemessenen Reizen ausgesetzt sind. Wenn Katzen unter 8 Wochen von der Mutter und den Geschwistern getrennt werden, nimmt man ihnen die Chance ausreichend soziale Kompetenzen sowie eine angemessene emotionale und motorische Selbstkontrolle zu erwerben. Um Defizite so gering wie möglich zu halten und um ihre Katze glücklich zu machen, sollten auch Kätzchen mit 8 - 12 Wochen zu zweit ein neues Zuhause geschenkt werden. Es macht zudem große Freude, zwei jungen Wichten bei ihrem ausgelassenen Spiel zusehen zu können. Bei Wohnungshaltung und wenn man berufstätig ist, kann man zwei Wichte mit einem weit besseren Gewissen den ganzen Tag alleine lassen. Denn auch Katzen können vereinsamen und vorallem wird insbesondere einem Jungspund rasch langweilig. Da Langeweile unweigerlich zu Frustration führt und diese wieder zu Stress, handelt es sich hierbei für den Beutegreifer Katze um ein wichtiges Thema.


Soziale Struktur

Wir dürfen bedenken, dass die einzige Zeit, in der Katzen über eine längere Zeitspanne freiwillig zusammenleben, während der Jungenaufzucht ist. Stubentiger sind um sich glücklich zu fühlen, nicht zwingend auf eine weitere Mieze angewiesen. Selbstredend sind die äußeren Umstände immer zu berücksichtigen. Hat die Katze Möglichkeit zu Freigang oder verbringt sie den ganzen Tag alleine in einer Wohnung? Je länger eine Samtpfote alleine gelebt hat, desto weniger ist sie bereit eine neue Freundschaft zu einem Artgenossen einzugehen.

Oft werden Menschen dazu verleitet die soziale Ordnung von Hunderudeln auf Katzen übertragen zu wollen. Unsere Samtpfoten sind anders und leben anders. Die sozialen Systeme von Katzen sind NICHT hierarchisch starr organisiert. Vielmehr sind die sozialen Systeme sehr sensibel und störungsanfällig. Dies auch, wenn Samtpfoten unter natürlichen Bedingungen in matriarchalisch aufgebauten Familiengruppen leben. Zwischen den Katzen solcher Gruppen existiert keine starr hierarchisch aufgebaute Rangordnung. Bei unserern Miezen wird die Rangordnung vielmehr von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst und basiert viel eher auf „konfliktvermeidenden Strategien“ um offen ausgetragene Auseinandersetzungen zu verhindern. Kämpfe kosten viel Energie und Verletzungen können auch für unsere Stubentiger gefährlich werden. Dementsprechend können Rivalenkämpfe, wie wir sie ab dem Beginn der Geschlechtsreife bei unkastrierten Katern beobachten, zwar recht heftig werden, verlaufen allerdings insgesamt nach angeborenen Verhaltensmustern, also ritualisiert ab. Unter Rivalen entwickelt sich eine absolute Rangordnung aus. In der Natur hat immer alles einen Sinn. Die Weitergabe der eigenen Gene ist ebenso eine starke Triebfeder, wie die Erhaltung der Art. Aus gutem Grund werden daher zu gefährliche Kampftechniken in der Natur nicht begünstigt.

Nicht umsonst entwickeln Samtpfoten ein ausgeklügeltes System für ein optimal funktionierendes Zeit-Raum-Management. In diesem Sinne überlappen sich die Streifgebiete unserer Katzen und Kater. Mit anderen Worten nutzen sie die selben Wegenetze, Jagdgebiete, Aussichtsorte und dergleichen zeitversetzt, also zu unterschiedlichen Zeiten. Die geruchliche Informationsweitergabe spielt hierbei eine sehr wesentlich Rolle, wie das Thema Harnmarkierungen anschaulich demonstriert. Die Wege werden regelmäßig abmarschiert und damit man einander nicht direkt begegnet, werden eben Marken gesetzt wie durch Harn- und Kratzmarkierungen. Harnmarkierungen gelten als die Visitenkarten unserer Stubentiger. Grundsätzlich zählen wir das Markieren mit Harn zu dem Kommunikationsverhalten. Eine frische Harnmarkierung sagt „HALT – ich bin im Revier“. Eine alte Harnmarkierung sagt „DU KANNST PASSIEREN“. Harnmarkierungen haben noch weitere Bedeutungen wie etwa als Demonstration von Stärke, Status und Selbstbewusstsein und natürlich haben sie eine wesentliche hormonelle Aussagekraft in der Paarungszeit. Insgesamt werden ernste Kämpfe im Sinne von Rivalenkämpfen eher von jüngeren Katern initiiert, wie etwa auch in der Zeit der Aufnahme in die Bruderschaft, um sich besser zu positionieren. Ihre älteren Artgenossen geben sich überwiegend mit Imponiergehabe und sehr ritualisiertem Verhalten zufrieden. Natürlich wird auch hier alles mit den bekannten Katerkampfgesängen untermalt. Übrigens müssen kastrierte Kater grundsätzlich nicht weniger kampffreudig sein, denn ihre kastrierten Artgenossen. Durch die Kastration verschiebt sich schlicht die Kampffreude von den Rivalen- hin zu den Revierkämpfen. 

Zudem ist das Harnmarkieren bei Wohnungskatzen häufig ein Zeichen von Stress, Verunsicherung oder Besorgnis. Der eigene Duft vermittelt Sicherheit und schenkt Mut. In diesem Zusammenhang sind Harnmarkierungen häufig der diplomatische Ausdruck einer aggressiven, aber indirekten Auseinandersetzung. Unsere Samtpfoten sind hier entweder mehr von Aggression oder mehr von Angst angetrieben. Angstaggressives Verhalten ist die häufigste Aggressionsform bei Zusammenführungen von Samtpfoten. Es sei zu bedenken, dass aggressives Verhalten für Katzen so normal ist wie das Schnurren. Es ist absolut überlebensnotwendig für das Einzelwesen Katze. Zudem benötigen unsere Stubentiger ein strukturiertes Umfeld, um sich sicher und wohl zu fühlen. Zu markieren schafft Struktur. Man könnte auch sagen, unsere Samtpfote strukturiert ihr soziales Umfeld zeitlich wie räumlich.

Die Größe der Katzengruppe wird unter natürlichen Bedingungen von unter wildlebenden Katzen in erster Linie von der Verfügbarkeit der Ressourcen bestimmt. Immer vorausgesetzt, die lieben Miezen schließen sich überhaupt zu einer Gruppe zusammen. Die wichtigste Ressource, um das eigene Überleben zu sichern, ist Nahrung. Daher schlucken Frau und Herr Katze für die tägliche Nahrungsaufnahme auch mal ihren Argwohn Artgenossen gegenüber herunter. Anders sieht es bei der Wasseraufnahme aus. Als ursprüngliche Wüstentiere neigen Katzen dazu rasch dazu, auf das Trinken zu verzichten. In stressreichen Katzenhaushalten unterlassen Frau und Herr Katze sehr schnell die Wasseraufnahme und dies kann gesundheitsschädliche Konsequenzen haben. Weitere Ressourcen wären etwa Ruhe-, Schlafplätze, Katzentoiletten, Aussichtsplätze und nicht zu vergessen der Mensch. Insbesondere bei eher unausgewogenen Katzengesellschaften ist unbedingt auf ausreichend Rückzugs- und Ruheorte für jede Mieze zu achten.

Grundsätzlich ist der Kontakt zu fremden Artgenossen auf ein Minimum reduziert. Als fremd gilt bereits jener, der nicht den Gruppengeruch (Sippengeruch, Gemeinschaftsgeruch) trägt. Kommt es etwa im Streifgebiet zu einer unerwarteten ersten  Begegnungen mit einer "fremden" Katze, so ist meist ein kurzes Gefecht zu beobachten. Auch hier werden keine für immer gültigen sozialen Hierarchien aufgestellt. An diesem Ort und zu dieser Zeit hat in Zukunft der Sieger den Vorrang. Insgesamt wird bei Begegnungen versucht, die Distanz und den Kontakt zu Artgenossen zu vergrößern. Außer der Fremdling nähert sich ungefragt gefährlich dem Heim erster Ordnung (Kernbereich, Primärheim) an. Katzen kommunizieren weit subtiler als Hunde oder gar wir Menschen. So werden die Mittel der Körpersprache (in Bezug zum Umfeld, die Umgebung wird in die Kommunikation miteinbezogen), stimmliche Äußerungen wie fauchen, knurren, miauen...zur Distanzvergrößerung eingesetzt. ABER, wird die kritische Distanz (75 bis 120 cm = persönliche Distanz) unterschritten, kann es durchaus zu aggressiven Auseinandersetzungen und Ausschreitungen kommen. Innerhalb einer Gruppe dienen die aggressiven Signale hingegen weit mehr dazu, Konflikte zu vermeiden und daher kommt es innerhalb der Gruppe selten zu offen ausgetragenen aggressiven Auseinandersetzungen.

 Der Selbsterhalt der Katze ist signifikant. Daraus entspringt auch ein ausgeprägtes Territorialverhalten und im Zuge dessen achtet das Einzelwesen Katzen sehr auf ihre Ressourcen. Sie sind bemüht diese zu sichern und zu kontrollieren. Man könnte sagen, dass das Überleben unserer Katzen weitestgehend dem eines Einzelwesens entspricht. Die Katze ist in der Natur auf sich gestellt, geht alleine auf die Jagd und kann durchaus alleine leben wie überleben. Hierfür ist verständlicherweise ein starker Selbsterhalt unerlässlich. Katzen jagen überwiegend kleine Beute, etwa Nagetiere wie Mäuse, und hierfür braucht sie keinen Jagdgefährten. Eine Maus zu teilen wäre zudem wenig sinnvoll. Dementsprechend klein sind die Katzenmägen und daher nehmen Katzen mehrere kleine Mahlzeiten am Tag zu sich. Nicht zu vergessen, dass unsere Samtpfote Raubtier und Beutetier zugleich ist. Ihr starker Selbsterhalt ist auch deshalb nicht verwunderlich. 


Jede Katze kann allein leben und überleben

Dies bedeutet keinesfalls, dass Katzen die Gesellschaft von Menschen oder von Artgenossen generell meiden. Gerade Wohnungskatzen bauen zu ihren Menschen eine sehr innige Bindung auf. Nicht nur das. Ihre tiefe Freundschaft zu uns Menschen ist inniger denn zu ihren Artgenossen. Sind Katzen miteinander aufgewachsen, so kann auch sie eine durchaus enge Freundschaft verbinden. Immerhin bildet sich die erste Ranordnung bereits bei der "Vergabe" der Zitzen aus, also noch bevor die kleinen Miezen ihre Augen öffnen.

Insgesamt entscheiden Katzen immer selbst, ob und welchen Kontakt sie in welcher Form und Intensität wünschen. Es besteht ein unterschiedliches Bedürfnis nach sozialen Kontakten. Die Gründe sind mannigfaltig. Katzen mit niedrigen sozialen Bedürfnissen finden sich somit eher am Rande von Katzengemeinschaften. Wohingegen Tiere mit höheren sozialen Bedürfnissen eher innerhalb der Gruppen zu finden sind. Diese eignen sich selbstredend besser für die Gründung einer kleinen Katzengruppe. 

Es ist wirklich wichtig zu verstehen, dass die Beziehung unter Katzen und von Katzen zu uns anders verlaufen, als jene sozialen Beziehungen von Hunden. Entsprechend des unterschiedlichen Soziallebens ist in Folge auch die soziale Kommunikation verschieden.

Oft sind es schlicht unsere „falschen“ menschlichen Erwartungen und Vorstellungen, die wir unseren Stubentigern unreflektiert überstülpen und die folglich zu Schwierigkeiten führen können. Manche Menschen projizieren ihr persönliches Bedürfnis nach sozialer Gesellschaft auf ihre Katzen und bilden unüberlegt Mehrkatzenhaushalte. Zu oft wird die „soziale Kompatibilität“ einzelner Katzen missachtet. Mit anderen Worten wird die Fähigkeit der einzelnen Katze gut mit anderen Katzen auszukommen missachtet. Extrem stressreiche Lebensumstände sind die Folge.

Daher ist eine essentielle Frage VOR der Zusammenstellung einer Katzengruppe, jene nach der sozialen Kompatibilität. Also die Frage, ob diese Katzen überhaupt zueinander passen und miteinander stressfrei auskommen können. Aus wissenschaftlicher Sicht (Ausnahmen bestätigen die Regel) fährt man am besten mit Geschwisterpaaren. Diese Gruppen sind die gesündesten. Aber auch hier sind grundlegende Bedürfnisse zu berücksichtigen:

  • Freier und unmittelbarer Zugang zu wichtigen Ressourcen wie Futter, Wasser, Ruheplätze, Schlafplätze, Aussichtsplätze, Toiletten (n+1) sowie unbedingt Beschäftigung (Jagdspiele, "Katzen sind keine Hetzjäger"). Nur der Mensch als wichtige Ressource ist zumeist nicht im Übermaß vorhanden.

  • Wichtig ist zudem jedem Stubentiger die Möglichkeit eines ganz „privaten“ Rückzugsbereiches mit Sichtschutz, auch um sich unsichtbar machen zu können, zu gewähren.

  • Die dringende Möglichkeit potentiellem Stress zu entfliehen.

Zumindest diese wenigen Grundbedürfnisse sollten berücksichtigt werden. Nochmals möchte ich betonen, Stubentigern bei reiner Wohnungshaltung ausreichend Beschäftigungsmöglichkeiten zu bieten. Insbesondere das Durchspielen ganzer Sequenzen eines Jagdablaufes ist für das Wohlergehen des Raubtieres Katze essentiell. Die Nutzung der dritten Dimension möchte ich zudem hervorheben, da diese nicht zuletzt ein Teil des Reviers unserer Miezen darstellt. Außerdem überblicken unsere Miezen mit großer Freude ihr Revier, fühlen sich in erhöhter Position sicherer und wer erhöht sitzt ist sozial überlegen.

Anmerkung: Viel zu oft leiden Katzen im Mehrkatzenhaushalt unter chronischem Stress, der irgendwann gesundheitliche Folgen hat. Katzen neigen zur Psychosomatik wie etwa Blasenentzündungen, Magen-Darm-Erkrankungen, Epilepsie... Zudem kann Stress zu offen aggressivem Verhalten auf der einen Seite und zu Depression auf der anderen Seite führen. Zuvor haben sich die Miezen allerdings schon viel gesagt, das unserem menschlichen Auge meist entgangen ist. Wir sehen meist erst die Spitze des Eisberges, wenn alles bereits aus dem Ruder läuft. Unsere Stubentiger kommunizieren äußerst subtil und außerdem sind wir großteils viele Stunden des Tages nicht anwesend. Nicht umsonst merken wir etwa erst durch "plötzliche" Unsauberkeit oder unerwünschtes Markierverhalten, dass unsere Mieze ein Problem hat. Häufig ist allerdings auch nur das offensichtliche Meiden der anderen Katze ein klares Zeichen einer sozialen Inkompatibilität. Der Mangel an sozialer Harmonie bleibt selten unbemerkt. Irgendwann folgen etwa ein verändertes Fressverhalten, Unsauberkeit, eine  psychosomatisch bedingte Blasentzündungen, eine psychogene Alopezie und oder anderes mehr. Diese Samtpfoten werden dann zu einer Art Symptomträger für eine disharmonische sowie in Dauerstress lebende Katzengruppe. Irgendwo finden Besorgnis, Stress und oder Angst ihr Ventil. Daher besser bereits im Vorfeld gut beobachten und Ungereimtheiten keinen Nährboden liefern sowie ausräumen.

 

 

Kaninchen - wer paßt zu wem?

Details

kaninchenKaninchen zählen zu den Gruppentieren, d.h. sie beziehen ihre Sicherheit aus dem Leben in einer Gruppe mit starken Hierarchien. Die Einzelhaltung grenzt für ein solches Tier daher oft an Tierquälerei und ist abzulehnen. Auf der anderen Seite machen es uns die lieben Kaninchen nicht immer leicht sie zu vergesellschaften. Leider werden Kaninchen noch immer zu oft auf zu engem Raum gehalten. Die Hinterläufe sagen bereits, dass sie viel hoppeln müssen um glücklich zu sein. Daher sollte die Anschaffung eines Kaninchens immer wohl überlegt werden. Sie eignen sich nicht wirklich als Kuscheltiere und noch weniger für Kleinkinder.

Im Vordergrund bei der Wahl eines Kaninchens, ob als Erstanschaffung, als Zweitkaninchen oder als weiteres Tier für eine bereits bestehende Gruppe, stehen das Geschlecht und der Charakter. Die Größe ist nebensächlich, wohin gegen das Alter auch noch eine Rolle spielen kann. Durchaus können Gruppen mit Kaninchen unterschiedlicher Größe und Rasse ein harmonisches Miteinander leben. Der Charakter ist nicht zu unterschätzen. Zwei dominante Tiere führen ebenso oft zu Problemen wie zwei unterwürfige. Bei Tiergruppen ist daher auf einen ergänzenden Charakter zu achten! Mit anderen Worten sollte man zu einem unterwürfigen Tier ein dominantes und zu einem dominanten Tier ein unterwürfiges Kaninchen wählen. Das vom Charakter unterwürfige Tier bezieht durch das dominante Tier Sicherheit. Es kann sich mit einem weiteren unterwürfigen Tier unsicher fühlen und Stress leiden. Kaninchen leben nun einmal in klaren Strukturen, Hierarchien und beziehen hieraus ihre Sicherheit. Gerade bei Gruppenhaltung ist die Beobachtung des Verhaltens und damit der Charaktere der Tiere immens wichtig, ehe ich ein neues Tier der Gruppe hinzu füge. Zudem müssen wir auf Mobbingsituationen achten.

 

Da sich Tierhalter überwiegend für eine kleine Gruppe aus zwei Tieren entscheiden, hier ein paar Tipps

Am besten geeignet ist die Vergesellschaftung eines kastrierten Rammlers mit einem Weibchen, weil dies der natürlichsten Kombination gleich kommt. Hier kann man besonders häufig gegenseitige Fellpflege und Kontaktliegen beobachten. Dennoch sollte das Alter der Tiere Beachtung finden. Ausgewachsene weibliche Tiere sind häufig sehr dominant und daher sollte der kastrierte Rammler älter oder zumindest gleich alt sein. Weibchen verteidigen ihr Revier oft sehr heftig und und der jüngere Rammler könnte durch solch Attacken verletzt werden. Vom Stress ganz zu schweigen. Die Kombination eines unkastrierten Rammlers mit einem kastrierten Weibchen ist nicht empfehlenswert bis abzulehnen, da die Rammler die Damen extrem bedrängen und das nur zu Stress für die Weibchen führt. Nachwuchs sollte verhindert werden, da es ohnedies jede Menge Kaninchen gibt. Wenn man nicht züchtigen möchte, dann bitte keinesfalls ein unkastriertes Weibchen mit einem unkastrierten Rammler halten. Eine weitere zumeist gut funktionierende Vergesellschaftung ist jene zweier kastrierter Rammler.

Die Kastration der männlichen Tiere sollte VOR der Geschlechtsreife geschehen, damit es nicht zu kämpfen in der Pubertät kommt. Ist es aber schon einmal soweit gediehen, dann muss man die Tiere auch hier nach der Kastration in etwa für 8 bis 10 Wochen getrennt halten. Es dauert, bis sich der Hormonhaushalt neu eingependelt hat. Dann kann man eine neue Vergesellschaftung in Angriff nehmen. Trennung bedeutet, dass die Tiere in unterschiedlichen Räumen untergebracht werden und einander weder sehen noch riechen.

Kleingruppen von zwei weiblichen Tieren führen sehr häufig zu Problemen und daher ist von dieser Kombination abzuraten. Selbst bei Geschwistertieren. Kommen die Damen zwischen dem 4. und 8. Lebensmonat in die Geschlechtsreife, werden sie häufig recht zickig. Kämpfe sind im Zuge von auftretenden Rangproblemen mit der Geschlechtsreife sehr häufig und können extrem heftig ausfallen. Selbst Mutter und Tochter vertragen sich selten harmonisch.

Bezüglich größerer Gruppen sei darauf hingewisen, dass je mehr Weibchen in einer Gruppe leben, desto eher sind Konflikte vorprogrammiert. Am besten hält man im überwiegenden Teil kastrierte Rammler oder zumindest Hälfte Hälfte. Natürlich wäre es die natürlichste Haltungsform, wenn die Weibchen in die Überzahl wären. Allerdings führt dies in der Praxis doch häufig zu Kämpfen unter den Damen. Der Raum ist in Gefangenschaft halt doch zumeist begrenzt.

Bitte keine Vergesellschaftung von Kaninchen mit Meerschweinchen! Sie sind zu verschieden, sprechen eine unterschiedliche Sprache.


Zeitpunkt der Vergesellschaftung

Der erste Weg nach der Anschaffung eine Kaninchens sollte zum Tierarzt führen, der den Kot auf Würmer, Kokzidien, Yersinien, Clostridien, und Giardien testet und das Tier untersucht. Eine Quarantäne des neuen Tieres ist für mindestens zwei Wochen unbedingt erforderlich, insbesondere bei Tieren unbekannter Herkunft.  In dieser Zeit ist genauestens auf etwaige Krankheitszeichen zu achten wie etwa: Form des Kots? Trockene Nase? Augen? Bauchumfang? Verhalten des Tieres? Beschaffenheit des Felles? Empfindlichkeiten beim Abtasten?

Junge Tiere (unter vier Monaten) lassen sich relativ leicht miteinander vergesellschaften. Mit anderen Worten sind die Chancen am besten, wenn die Tiere möglichst jung sind. Nicht anzuraten ist es, ein Tier unter vier Monaten mit einem alten Tier zusammen zu führen. Das junge Tiere könnte sich nicht ausreichend wehren, sich nicht durchsetzen und könnte schwer verletzt werden. Vom Stress ganz zu schweigen. Jung (aber älter als vier Monate) und alt kann harmonieren und auch nicht. Hier kommt es sehr auf den Charakter der Tiere an. Manch Jungspund ist gelangweilt von einem älteren Tier und manch älteres Tier ist genervt von so einem Jungspund. Daher bitte immer das Wesen des jeweiligen Tieres genau unter die Lupe nehmen. Ein junges Tier in eine bestehende Gruppe zu integrieren ist durchaus möglich, aber bitte die Kaninchen und die Vorgänge in der Gruppe gut beobachten. Es ist immer der Halter gefordert. Zwei alte Tiere aneinander zu gewöhnen ist ein oft sehr schwieriges Unterfangen, kann aber durchaus klappen. Zum Wohle der Tiere sollte nicht auf eine Kastration aus Geldsparmaßnahmen verzichtet werden. Reine Weibchengruppen klappen ebenso wenig selten wie eine Gruppe unkastrierter Rammler. Es sind harmonische Gruppen anzustreben. 

 

WO sollte eine Vergesellschaftung stattfinden?

Dem Ort der Vergesellschaftung kommt eine große Bedeutung zu! Auf jeden Fall sollten zwei einander fremde Tiere nie in einen gekauften begrenzten Käfig gesetzt werden. Dies führt unweigerlich zu Stress und kann verheerende Folgen haben. Für die erste Begegnung ist ein neutraler Raum wichtig mit ausreichend Ausweich- und Versteckmöglichkeiten in der Größe von mindestens 6 m2. Als Verstecke eignen sich Tunnels oder Kartons, die beidseits geöffnet sind. Wichtig ist, dass ein Tier nicht in eine Ecke gedrängt werden kann wie in einem Häuschen, das nur eine Öffnung hat. Neutral deshalb, damit kein Tier markiert hat und Revieransprüche stellt. Sonst sind Kämpfe vorprogrammiert. Die Größe ist deshalb sehr wichtig, damit sich die Tiere aus dem Wege gehen können und sich in Ruhe annähern können. Die Kaninchen selbst geben das Tempo vor. Innerhalb dieses Gebietes wird Heu und Futter und Wasser an mehreren Stellen verteilt. Fressen beruhigt und baut Stress ab. Ist der Raum zu klein, leiden die Tiere oft massiven Stress und dieser sollte vermieden bzw. eingeschränkt werden. Kaninchen lassen Fell rieseln, wenn sie gestresst sind.


Gittertrennung bei einer Vergesellschaftung?

Zwei einander fremde Tiere sollten nicht in ihren Käfigen Gitter an Gitter neben einander gestellt werden. Das ist massiver Stress für die Tiere, die nicht fliehen können.

Auch eine reine Gittertrennung ist nicht wirklich empfehlenswert, außer wenn die Tiere bereits zusammenlebten und wegen Krankheit eine Weile nicht direkt in Kontakt treten sollen. Oder bei Tieren, die nicht in eine Gruppe aufgenommen werden können, aber die Nähe einer Gruppe mögen und sich sicherer in dieser Nähe fühlen. Hier ist wieder Beobachtung gefordert wie immer.


Vorgehensweise:

Gleichzeitig die Kaninchen in den neutralen und bereits vorbereiteten Raum setzen. Hier nun einige Beispiele, wie so eine erste Zusammenkunft aussehen kann:

  • das alteingesessene Kaninchen und vielleicht auch ältere Kaninchen läuft dem neuen Kaninchen nach, zupft ihm Fell aus (wobei Kaninchen das meiste Fell durch den Stress verlieren), versucht es vielleicht zu besteigen oder baut sich vor ihm mit aufgestelltem Fell auf.
  • der Neuankömmling läuft davon, versucht zu fliehen und sich zu verstecken.
  • je nach Charakter kann der Neuzugang selbst dominantes Verhalten an den Tag legen und das alteingessene Tier zu dominieren versuchen.
  • dann und wann bleiben die Kaninchen in unterschiedlichen Bereichen sitzen und ignorieren einander erst einmal. Sie wirken desinteressiert und fressen, wobei fressen auch immer beruhigend und Stress abbauend wirkt.
  • durchaus kann so eine erste Begegnung auch sehr friedvoll vonstatten gehen. Die Tiere beschnuppern einander dann gegenseitig im Gesicht und am After. Eines wird sich dann irgendwann abwenden und unter Umständen vom anderen gejagt. Meist nur kurz und es kann mit einem Brummen oder Knurren einhergehen oder von Aufreiten unterbrochen werden. Dies ist aber alles absolut normal.
  • Beobachten kann man auch manchmal, dass sich die beiden Kaninchen im Lauf anspringen und kurz miteinander balgen und dann wieder eines das andere jagd.
  • Im optimalen Fall beschnuppern einander die Kaninchen ausgiebig und beginnen dann irgendwann einander zu putzen und zu lecken. Es ist normal, dass irgendwann (auch noch nach Tagen) das dominantere Kaninchen das unterwürfige Kaninchen zu besteigen versucht.

Wir dürfen uns auch nicht wundern, wenn ein dominantes Weibchen ein Männchen besteigt und „berammelt“ oder sich mit ihrer Kinnduftdrüse an ihm reibt und ihn so markiert. Dies ist insbesondere dann zu beobachten, wenn sie vorher im Revier lebte. Je nach Temperament und Charakter des männlichen Kaninchens wird dieses das Weibchen auch besteigen oder die Prozedur einfach über sich ergehen lassen. Hierzu muss man wissen, dass auch in der Natur Rammler viel einstecken müssen von der Damenwelt und sich daher nur vorsichtig annähern.

Auch wenn Fell durch die Luft wirbelt und das Szenario beängstigend wirkt, greifen sie nicht gleich ein. Eine Vergesellschaftung kann von einigen Stunden über mehrere Tage und sogar Wochen dauern. Geduld ist gefordert und ein sehr gutes Beobachtungspotential. Bei heftigeren Kämpfen, schweren Bissen muss natürlich eingegriffen werden.


Geglückt ist eine Zusammenführung erst, wenn sich die Kaninchen in dem neutralen Gebiet über einige Tage hinweg gut verstehen. Dies soll heißen, gemeinsam fressen, nebeneinander liegen oder sogar Kontaktliegen, einander putzen, sich gegenseitig die Ohren lecken. Dann kann man den Kaninchen auch den Rest der Wohnung zur Verfügung stellen. Wichtig ist, dass man die Kaninchen erst dann in Ihr gemeinsames Gehege lässt, wenn sie sich gut vertragen, also keine Kämpfe mehr gefochten werden. Umgekehrt sollten die Tiere in dieser Phase nicht wieder getrennt werden! Sie sollen es „ausfechten“, so lange alles im Rahmen läuft. Durchhalten ist die Devise.


Letzter Schritt: Gemeinsam im Heimatgehege des eingesessenen Kaninchens

Hier kann es unweigerlich wieder zu Streit und Jagdsequenzen kommen. Daher ist die gründliche vorherige Reinigung immens wichtig, am besten mit enzymatischen Reinigern. Gestalten Sie das Innenleben des Geheges ganz neu mit neuen Tunneln, Häuschen etc. und verteilen sie ausreichend Futterstellen sowie Wasserstellen. In diesem Fall geben wir dem neuen Kaninchen eine Vorsprung und setzen es zuerst in das Gehege. Kaninchen, die sich zuvor schon zusammengerauft haben, vertragen sich meistens auch im Ursprungsgehege. Bitte nicht die Geduld verlieren. Vergesellschaftungen können Tage bis Wochen in Anspruch nehmen.


Manchmal ist eine Trennung unabwendbar. Nach heftigen Kämpfen sollten die Kaninchen über etwa 14 Tage getrennt werden. In diesem Sinne bringt man sie in unterschiedlichen Räumen unter und sie sollten einander weder riechen noch sehen. Dann kann man es nochmals mit einer Zusammenführung versuchen. Klappt es dann immer noch nicht, sollte man ein Tier abgeben.

Kleinere Bisse und Wunden sind im akzeptablen Bereich. Es soll aber auch nie eine Mobbingsituation entstehen, in der ein Tier in Dauerstress lebt. Dies macht unweigerlich krank.

Bisse, Wunden an Hals, Hinterteil und Flanken sind immer ernst zu nehmen. Diese weisen auf heftige Rangkämpfe hin und dass das unterlegene Tier immer wieder gejagt und bekämpft wird. Dann muss man die Tiere trennen. Ohren hingegen sind stark durchblutet und können rasch bluten.

BITTE nie zwei einander fremde Tiere einfach gemeinsam in einen kleinen Käfig setzen!!!

Am besten ist man bei solch Vergesellschaftungen immer zu zweit, um gegebenenfalls eingreifen zu können. Sind die Tier sehr in einen Kampf vertieft, hilft es jeweils ein leichtes Handtuch über die Tiere zu werfen oder ein wenig Heu über sie rieseln zu lassen. Man kann auch versuchen, die Tiere mit Hilfe eines Kartons zu trennen, den man geschickt zwischen die beiden Kontrahenten schiebt. Von Wasser ist eher abzuraten, da sich Kaninchen doch rasch erkälten. Mit bloßer Hand sollte niemals hineingegriffen werden, da man sonst unweigerlich gebissen wird. Mit Handschuhen ausgerüstet kann man aber durchaus beherzt das Kaninchen am Hinterleib packen – jeder ein Kaninchen – und so die Tiere trennen.


Geduld und Zeit sind auch bei einer Kaninchenvergesellschaftung hilfreiche Werkzeuge.




Sicherheitsbedürfnis der Katze

Details

katze1

Schenken wir einer Katze oder einem Kater ein neues Zuhause, sollten wir uns ihrer Bedürfnisse bewusst sein. In wie weit können und wollen wir diesen gerecht werden? In wie weit sind wir bereit Kompromisse zu schließen zwischen unseren Bedürfnissen und jenen unseres vierbeinigen Gefährten? Sich diese Fragen bereits im Vorfeld der Anschaffung eines Tieres zu stellen ist durchaus sinnvoll, damit wir weitestgehend vor unliebsamen Überraschungen gefeit sind. Professionelle Beratungen vor der Übernahme eines Haustieres können ebenso hilfreich sein wie das Lesen von Fachliteratur.

Unsere Samtpfoten haben ein ausgeprägteres Bedürfnis nach Sicherheit, als wir uns dessen oft gewahr sind. Anhand des „Drei-Säulen-Systems“ führe ich bildhaft ein organisatorisches System vor Augen, aus dem Katzen ihre Sicherheit beziehen.

  1. Raum (3 Dimensionen des Raumes!)

  2. Zeit

  3. Beziehungen (auch jene zum Menschen, der eine wichtige Ressource darstellt)

Dieses System können wir uns durchwoben von reichlich Ressourcen sowie von mehr oder weniger „beweglichen“ Rang- und Revierverhältnissen vorstellen. Obgleich es sich im übertragenen Sinne überwiegend um „bewegliche“ Strukturen und Dimensionen handelt, reagieren Frau und Herr Katze auf Veränderungen innerhalb dieses Systems sensibel sowie rasch besorgt. Die Bezugsperson Mensch nimmt in diesem Gefüge einen wesentlichen Part ein.

Gerät eine dieser Säulen nun ins Wanken, so können sich Frau und Herr Katze nicht nur rasch besorgt fühlen, sondern zusätzlich können Stress- und oder Angstreaktionen folgen. Als eine Art Basisplattform dieser drei Säulen kann man sich den freien Zugang zu reichlich Ressourcen vorstellen. Ressourcenmangel ist für jedes Lebewesen beängstigend, weil diese schlicht überlebensnotwendig sind, unter anderem dem Erhalt der Art dienen. Die Ressource Mensch ist für unsere Miezen bei voller Berufstätigkeit oft nur bedingt vorhanden und muss zudem häufig geteilt werden. Je nach Katzenpersönlichkeit hat dies Auswirkungen auf das Wohlgefühl unserer Stubentiger oder wird als vollkommen in Ordnung wahrgenommen. Nicht umsonst macht es Sinn, auf das Wesen und den Charakter bei der Auswahl seiner Katze Rücksicht zu nehmen. Wir dürfen uns die Frage stellen, was wir uns von unserer Mieze erwarten.

Durchwoben ist dieses „Konstrukt" durch mehr oder weniger bewegliche Rang- und Revierverhältnisse, die sich wiederum gegenseitig beeinflussen. Die Katze hat weder eine Herde, noch ein Rudel noch eine Gruppe hinter sich. Sie geht als Einzelwesen auf die Jagd und ist in der Natur gänzlich auf sich alleine gestellt. Die Katze ist so zu sagen ihr eigenes Rudel. Zudem sind unsere Samtpfoten Raubtier und Beutetier zugleich. Aus alledem resultiert auch ihr starker Selbsterhaltungstrieb. Aggressives Verhalten ist für eine Katze absolut überlebensnotwendig und daher für sie so normal wie das Schnurren.

Unsere Miezen sind sehr revierbezogen, territorial und ihre Ressourcen sind ihr wichtig, weil schlicht überlebensnotwendig. Aus diesem Grund sind Katzen schnell besorgt vor Mangel oder gar Verlust Ihrer Ressourcen, mögen Veränderungen nur sehr bedingt und fühlen sich rasch gestresst. Man könnte Frau und Herr Katze als neugierige Gewohnheitstiere bezeichnen. Fühlt sich unsere Samtpfote aus welchen Gründen auch immer verunsichert, verängstigt, gestresst.... so hilft es ihr etwas zu unternehmen um sich besser und sicherer zu fühlen. Und sei sich mit ihrem eigenen Duft zu umgeben, also zu markieren. Dies nicht immer zum Wohlgefallen ihrer Menschen.

Insgesamt verhalten sich Kätzinnen territorialer denn Kater. Sie haben auch mehr zu verlieren, immerhin sind sie es, die den Nachwuchs aufziehen. Hier möchte ich allerdings nicht unerwähnt lassen, dass sich kastrierte Kater häufig territorialer verhalten denn ihre unkastrierten Artgenossen. Bedingt durch die Kastration verlagert sich die Kampflaune der Kater von den Rivalenkämpfen hin zu den Revierkämpfen. Katzen sind durchaus soziale Lebewesen. Sie sind Säugetiere und ziehen sorgsam ihren Nachwuchs auf. Katzenmütter sind sehr geduldige und beherzte Mütter. Mit der Pubertät werden die jungen Kater entweder aus der Familie vertrieben oder räumen freiwillig das Feld. Dies hat natürlich den Sinn Inzucht zu vermeiden. Töchter bleiben oft in der Gruppe. Unter natürlichen Bedingungen schließen sich Kätzinnen häufig zu Matriachaten und junge Kater zu Bruderschaften zusammen.

Von Prof. Dr. Paul Leyhausen (1916-1998) beschrieben: Zitat" von Prof. Dr. Paul Leyhausen: „Nach anfänglichen Kämpfen stellt sich so zwischen denjenigen, die sie bestehen und nicht völlig besiegt und unterworfen werden, eine formale Rangordnung ein, und zusammen beherrschen sie ihrer aller Gebiet als eine Art Bruderschaft. Sie treffen sich in freundlicher Gesellschaft“.

Kater gehen mit der sozialen Reife zwar überwiegend ihrer eigenen Wege, die Treffen der Bruderschaften werden allerdings friedlich beibehalten. Schwere Katerkämpfe werden insbesondere von Jungkatern initiiert und können mit schweren Verletzungen enden. Die Natur ist allerdings klug und daher laufen Rivalenkämpfe ritualisiert, also nach einem angeborenen Verhaltenskodex ab. Zudem bildet sich unter Rivalen eine absolute Rangordnung aus. Ältere Kater begnügen sich gerne mit ritualisiertem Imponiergehabe untermalt von den bekannten Kater-Kampfgesängen. Immerhin kosten Kämpfe enorm viel Energie. Prof. Dr. Paul Leyhausen beschrieb auch das  gesellige Beisammensein wild oder halb wild lebender Katzen und Kater. Diese kommen zusammen, ohne für uns Menschen ersichtlichen Grund. Gibt es allerdings eine Nahrungsquelle, so ist das für Katzen auch ein guter Grund friedlich zusammen zu kommen. Fressen ist überlebensnotwendig. Trinken ist für das Wüstentier Katze weniger wichtig und daher ist Wasser eine schwache Triebfeder um zusammen zu kommen.

Es sei anzumerken, dass sich die soziale Reife bei Katzen im Alter von zwei bis vier Jahren entwickelt. Mit der sozialen Reife entsteht erst das Territorialverhalten. Insbesondere für den Mehrkatzenhaushalt ist es wichtig zu wissen, dass Katzen keine starren, für immer gültigen Sozialhierarchien kennen. Daher kann eine Begegnung zwischen zwei Katzen morgens in der Küche und abends im Wohnzimmer gänzlich unterschiedlich ausfallen. Fragen von Rang und Revier sind bei Katzen engstens miteinander verflochten und bedingen einander gegenseitig. Der soziale Rang in einer Katzengesellschaft steht immer in Beziehung zu den jeweiligen Umständen, dem Revier, der Zeit und dem Ort (Plätzen). Vereinfacht ausgedrückt bedeutet dies, wer den jeweiligen Ort wann nutzen darf. Die Katze versucht im Rang höher zu steigen und damit ihr Revier zu vergrößern. Umgekehrt steigt sie im Rang höher, wenn sie Ihr Revier vergrößert. Die Beziehungsgeflechte in einer Katzengruppe sind äußerst sensibel und können rasch in Schieflage geraten. Wir können uns das Revier sowie die Streifgebiete einer Katze als ein Zeit-Raum-Konstrukt vorstellen. Als sehr intelligente Geschöpfe haben Katzen ein System, um einander in den Streifgebieten aus dem Wege gehen zu können. Unter natürlichen Bedingungen überlappen sich die Streifgebiete unserer Miezen. Dies bedeutet, dass sie die selben Wegenetze, Aussichtsplätze, Jagdgebiete gemeinsam, allerdings zu unterschiedlichen Zeiten nutzen. Hierzu sind die Markierungen jeder Art äußerst dienlich. Eine frische Markierung zeigt, dass augenblicklich der Weg, das Gebiet, der Aussichtsplatz anderweitig besetzt ist. Die Katze weiß damit, dass sie besser später wieder vorbei schaut. Hier kann man manchmal festere Rangverhältnisse vorfinden, die unter anderem mit besagten Markierungen (optisch wie geruchlich) klar gestellt werden. Sinn ist wieder, einander aus dem Wege gehen zu können und einen Kampf tunlichst zu vermeiden. Bei einer Erstbegegnung an einer unübersichtlichen Stelle, kann es schon einmal zu einem Gefecht kommen. Bei einem weiteren überraschenden Zusammentreffen an dieser Stelle, zu dieser Zeit, wird der zuletzt Unterlegene sofort das Weite suchen und vermutlich von der überlegenen Katzen gejagt werden. Auch hier sind die Rangverhältnisse an den Ort und an die Zeit gebunden. Insgesamt sind Katzen bei unerwünschten Zusammentreffen, auf Distanzvergrößerung im Sinne der Konfliktvermeidung bedacht. Ein ganz typisches Ausdrucksverhalten in diesem Zusammenhang ist das Fauchen. Wir alle kennen es. Es zeigt ein defensiv aggressives Verhalten und dient schlicht der Distanzvergrößerung.

Ich möchte etwas genauer auf das Harnmarkieren eingehen, da es viele Funktionen erfüllt und in der innerartlichen Kommunikation sowie für die Informationssammlung über Artgenossen eine wichtige Rolle spielt. Man kann eine Harnmarke als die Visitenkarte der Katze bezeichnen. Harnmarkierungen bieten eine Möglichkeit das Revier abzustecken und das soziale Umfeld zeitlich und räumlich zu strukturieren. Katzen fühlen sich schlicht sicherer, wenn sie ihr soziales Umfeld zeitlich und räumlich strukturieren. Unsere Samtpfoten sind grundsätzlich auf Diplomatie bedacht und gehen Auseinandersetzungen bevorzugt aus dem Wege. Mit Harn zu markieren erfordert bedeutend weniger Energieaufwand als ein Kampf.

Um ihr Revier optisch und geruchlich zu markieren, setzen Katzen bekannterweise auch gerne ihre Krallen ein, um wunderschöne Graffiti zu setzen. Gerade Wohnungskatzen geben sich oft mit dieser Form der Reviermarkierung zufrieden. Daher ist es äußerst sinnvoll, ausreichend Kratzmöglichkeiten an den richtigen (!) Orten anzubieten. Zudem dient das Kratzen neben der Krallenpflege auch dem Abbau von Spannungen, Stress oder überschüssigen Energien. Und natürlich wird beim offenkundigen Kratzen vor anderen auch gerne ein wenig imponiert. Die Schulter- und Rückenmuskulatur freut sich ebenso wie jene Muskeln der Zehen bei dieser Form des Dehnens und Streckens. Ein solch gesetztes Graffito setzt ein optisches, geruchliches wie ebenso akustisches Signal.

Unerwünschtes Markierverhalten und Unsauberkeit von Katern und Katzen, ob kastriert oder unkastriert, sind ein häufig auftretendes Problem in einer Katzengesellschaft. Insbesondere, wenn der Raum beschränkt ist. Oftmals ist das Sicherheitsgefühl in Schieflage geraten und oder eine Katze wird zu dem Symptomträger einer Dauerstresssituation in der Gruppe. Die Ursachen können mannigfaltig sein. Katzen kommunizieren äußerst subtil miteinander und vieles entgeht daher schlicht dem menschlichen Auge. Ein für uns sichtbarer Streit ist nur zu oft die Spitze eines Eisberges tiefer liegender Probleme. Katzen neigen zudem zur Psychosomatik und insbesondere zu psychosomatischen Blasengeschichten. Eine tierärztliche Abklärung ist daher unbedingt anzuraten. Stress führt über kurz oder lang zu organischen Erkrankungen und daher sollten wir seine Auswirkungen auf unsere Miezen nie unterschätzen. Mobbing unter Katzen ist nur eine Situation von vielen in der eine Katze chronischem Stress ausgesetzt ist. Leider sehen wir unseren Katzen oft weder Stress noch Depression an. Sie leiden eher still und daher ist eine gute Verhaltensbeobachtung unabdingbar.

Harn- und Kotmarkieren sind sehr emotionale Verhaltensweisen mit einem vielschichtigen emotionalen und territorialen Hintergrund. Entweder finden wir als Motor mehr Aggression oder mehr Angst.

Im Gegensatz hierzu findet sich das Markieren mit den „wohl-wollenden“ Gesichtspheromonen, das dem Zusammenhalt, der Herstellung des Gruppengeruchs, der sozialen Bindung und dem simplen Wohlgefühl dient. Reiben sich Katzen an diversen Ecken und Kanten, so verteilen sie auf diesem Wege ihre Pheromone und damit ihr persönliches Wohlgefühl. Sie umgeben sich so zu sagen selbst mit ihrem Wohlgefühl, verhelfen sich selbst dazu, sich in einer vertrauten Umgebung zu befinden. Diese Katzen fühlen sich wohl und wir können das Markieren mit den Gesichtspheromonen fördern. Insgesamt schmieren sich unsere lieben Samtpfoten zur Begrüßung aneinander, um den sehr wichtigen Gruppengeruch (sozialer Kitt) herzustellen und auch um ihren Platz in der Gruppe zu festigen. Manchmal vielleicht auch, um sich den Duft eines höher rangigen Tieres zu eigen zu machen. In jedem Fall dient es dem Zusammenhalt in der Gruppe, der Unterscheidung zwischen Freunden und fremden Artgenossen.

Harnmarkieren ist immer Ausdruck einer erhöhten Erregungslage – positiv oder negativ. Auch eine hungrige Katze hat eine erhöhte Erregungslage und kann markieren. So ist Harnmarkieren auch eine Art Ventil nach einer belastenden Situation.

Manchmal sind übertriebenes Harn- oder Kotmarkieren der einzige Hinweis darauf, dass die Katze versucht, sich in ihrer Umgebung wohler zu fühlen.

Mit anderen Worten, macht die Katze durch ihre Harnmarkierungen die Lebensumstände für sich selbst erträglicher und kann diese besser bewältigen. Kotmarkierungen dienen insbesondere der Reviermarkierung und finden sich an für die Katze bedeutsamen Orten, wie an Durchgängen oder auch auf dem Sofa. Kennzeichnend für Kot als Reviermarkierung ist, dass der Kot nicht eingegraben wird. Dominante oder selbstbewusste Katzen verdeutlichen mit Kot gerne Revieransprüche. Eine Kotmarkierung ist ein optisches sowie geruchliches Signal und wird gerne an erhöhten Orten abgesetzt. Kotmarken finden wir erst im Zuge der Entwicklung des Territorialverhaltens im Alter zwischen zwei und vier Jahren. Allerdings kann Kot in der Wohnung sehr wohl auch ein Zeichen von Stress, eines unzureichenden Katzentoilettenangebotes oder einer Mobbingsituation sein. Bei Mobbingsituationen wird die passive Katze häufig daran gehindert die Toilette ungestört aufzusuchen. Stimmt aus Katzensicht etwas mit dem Katzenklo nicht, wird sie aller Vorraussicht nach direkt neben das Kisterl ihren Kot absetzen.

Insbesondere bei Wohnungshaltung oder auch wenn sie sich gemeinschaftlich ein Haus teilen, sind es gemeinhin nicht die entspannten, unaufgeregten, souveränen Katzen, die mit Harn markieren. Zwar zählt das Markieren grundsätzlich zu dem Normalverhalten, im Kernbereich des Revieres ist es allerdings nicht ganz „normal“, wenn man so will. Gerade unsichere Katzenpersönlichkeiten haben das Bedürfnis zu markieren, weil sie nicht gut mit Störungen, Veränderungen, Unbekanntem, Aufregung und Stress umgehen können. Und leider kann dieses Verhalten auch automatisiert werden.

Hier einige wichtige Anregungen für eine artgerechte Katzenhaltung in der Wohnung:

  • Aussichts- und Ruheplätze sowie Verstecke um sich „unsichtbar zu machen“

  • Beruhigende Pheromone

  • Kratzbaum, Kratzmöbel um aufgestaute Energien, Angst, Stress oder Spannungen anderer Art abbauen zu können sowie zur Reviermarkierung. Reviermarkierungen sind wichtig für das Sicherheitsbedürfnis der Katze. Natürlich wird auch mit den Gesichtspheromen markiert.

  • Den Wunsch der Katze nach einer Reihe von sicheren Zugangswegen zu ihren Ressourcen wie etwa auch zu ihrer Toilette berücksichtigen.

  • Mehr als ausreichend Ressourcen anbieten!

  • Erhöhte Aussichtsplattformen um das Revier zu überblicken, sich sicherer zu fühlen und wer höher sitzt ist sozial überlegen. Die dritte Dimension zählt zu dem Revier unserer Miezen.

  • Wasser und Futter am rechten Ort

  • Dem Bedürfnis nach Jagd und Beutezielen nachkommen sowie einer anderweitig anregenden Umgebung wie: Katzentunnel, Spiele (interaktive sowie solitäre), alternative Futterplätze, Snackspielzeuge, Beobachtungsplätze wie auf Fensterbrettern, neue Gerüche aus der weiten Welt...

  • Auf das oft sehr ndividuelle Bedürfnis nach Freundschaften nachkommen.

  • Das Bedürfnis nach ruhigen, sicheren Ausscheidungsorten berücksichtigen.

Insbesondere bei reiner Wohnungshaltung dürfen wir dem Bedürfnis unserer Katzen nach Sicherheit durch eine katzengerechte Umfeldgestaltung nachkommen. Selbstverständlich sind auch hier die bestmöglichen Kompromisse zwischen unseren Bedürfnissen und jenen unserer Katzen zu finden.  

Zusammenfassend sei noch einmal auf das „Drei-Säulen-System“ verwiesen. Ändert sich bei einer Säule etwas, kann das ganze System ins Wanken geraten. Die sozialen Beziehungen sind ein gutes Beispiel: Nehmen wir etwa eine weiter Samtpfote auf, verändern sich auch die Beziehungen der anderen Katzen der Gruppe zu einander. Die Beziehungsgeflechte innerhalb einer Katzengemeinschaft sind äußerst sensibel und geraten rasch in Schieflage. Sie werden von vielen Variablen wie etwa dem Zeit-Raum-System, den sozialen Kontakten und oder der Persönlichkeit der Katze beeinflusst.

 



 

Trennungsstress - Trennungsangst

Details

Kuno Juli 2014 006 Die trennungsbedingte Angststörung ist eine massive Form des Trennungsstresses bei Hunden. Meist handelt es sich hierbei um eher ängstliche, unsichere Hunde, die sich zu stark an ihren Menschen, ihre Bezugsperson gebunden haben. Häufig findet man solch starke Bindungen bei handaufgezogenen Hunden oder Hunden, die zu früh von der Mutter getrennt wurden  und sich nicht natürlich abnabeln  konnten. Der Mensch ist dann Mutterersatz und der Hund muss sich auch von diesem zur rechten Zeit abnabeln, um ein gesundes Maß an Selbständigkeit entwickeln zu können. Weitere Beispiele finden wir oft unter ausgesetzten oder anderweitig früh traumatisierten Hunden. Natürlich kann ich jeden Welpen, insbesondere „wesensschwächere“ Tiere, zu sehr an mich binden und so von mir abhängig machen.

Zudem fördert der Mensch oft die Bereitschaft solcher Hunde zu einer zu starken Bindung an sich, wenn auch oft nicht willentlich oder bewusst. „Arme“, verschreckte, traumatisierte, unsichere Hundewichte bieten sich für den fürsorglichen, mitfühlenden Menschen regelrecht an besonders umsorgt und zu werden. Man hat nur das Beste im Sinne und möchte, dass es dem Hund ab nun nur mehr gut geht. Man will ihn beschützen und ihm jede weitere negative Erfahrung ersparen. Am liebsten möchte man ihn alles Schlimme in seinem Leben vergessen machen. Imgrunde spricht dieses Verhalten für den Menschen, aber nicht immer tut man dem Tier etwas Gutes. Denn der Hund wird mehr und mehr abhängig von seinem Menschen und das ist für seine innere Stabilität und Sicherheit nicht förderlich. Der Hund bezieht dann seine Stabilität und soziale Sicherheit zum Großteil über die Nähe zu seinem Menschen. Was aber wenn dieser dann nicht zur Verfügung steht?

Wenn der Hund plötzlich alleine ist? Oder wenn der Hund schlicht mit einer Situation alleine klar kommen soll, er aber nie gelernt hat sich auf sich selbst verlassen zu können in schwierigen Situationen, sich selbst und seinen Fähigkeiten nicht vertraut? Nie Erfolgserlebnisse im Umgang schwieriger Situationen gemacht hat? Nie eigenständig Lösungen finden mußte? Es soll doch nicht die Welt zusammen brechen für einen Hund, nur weil er ohne seinen Menschen ist. Solche Hunde fallen bei Abwesenheit ihrer Bezugsperson bzw. wenn sie alleine bleiben sollen oft in eine große Unsicherheit, Angst bis hin zu Panik. Die körperlichen Symptome können sich enorm steigern bis zum Harn- und Kotverlust. Diese Hunde wirken im wahrsten Sinne des Wortes wie außer sich. Um sich zu beruhigen kauen und nagen sie an allem was sie finden. Häufig bellen und heulen sie übermäßig. Sie wollen den Kontakt zur Bezugsperson wieder herstellen. Teilweise ist es auch eine Art „rausbellen“ der inneren Anspannung, der Erregung und des inneren Stresses.

Wichtig ist nun, dem Hund zu helfen, sozial sicherer zu werden und unabhängiger von seinem Menschen. Ohnedies bleiben wir der Verantwortungsträger im Mensch-Hundegespann. Wir geben dem Hund einen Rahmen vor, der seinem Leben Struktur und damit Sicherheit verleiht. Ein Hund will niemals der Boss sein, diesen Part überlässt er nur zu gerne uns Menschen. Wir sind der wohlwollende Verantwortungsträger. Ein gesundes Maß an Selbständigkeit ist für eine ausgeglichene glückliche Hundeseele sehr wichtig. Der Hund muss Hund sein dürfen und dazu braucht er unterem anderem seine sozialen Hundekontakte. Seine Erfolgserlebnisse, mit gewissen Situationen selbständig klar zu kommen. Eine berechenbare Kommunikation verleiht dem Hund ebenso Sicherheit wie ein ritualisierter Alltag (im Rahmen). Tiere mögen es vorhersehbar. Das gibt Sicherheit und ist daher für unsichere, ängstliche, traumatisierte Tiere besonders wichtig.

Unterschiedliche Beschäftigungsmöglichkeiten verhelfen zu weiteren Erfolgserlebnissen selbständig eine Arbeit zu erledigen. Bei Hunden mit erhöhtem Erregungsniveau ist Nasenarbeit eine hilfreiche und lohnende Beschäftigung. Wilde Ballspiele sollten eher gemieden werden oder zumindest wohl dosiert sein. In der Ruhe liegt die Kraft und gerade bei den unruhigen, unsicheren, ängstlichen, traumatisierten Tieren sind wir als Menschen besonders gefordert in unserer Ruhe und inneren Mitte zu bleiben. Unsere innere Ruhe und Gelassenheit überträgt sich auf unsere Tiere. Ebenso überträgt sich Anspannung, Angst, Stress. Man nennt diese Übertragungen auch Stimmungsübertragung.

Daher sollten im Falle einer Anwendung von Bachblüten, Mensch und Tier diese einnehmen. Bachblüten helfen das Tier auf feinstofflicher Ebene zu harmonisieren.

Hiervon sind aber jene Hunde zu unterscheiden, die entweder aus Kontrollverlust Rambazamba machen wenn der Halter weggeht oder weil es einfach weil er voller Energie steckt, unausgelastet ist, ihm stinke langweilig ist und es Spaß macht endlich unbeaufsichtigt das Haus auf den Kopf stellen zu können. Die Auslastung des Hundes ist daher von großer Bedeutung, ehe ich ihn über einen längeren Zeitraum alleine lasse. Hunde wissen nichts über richtig oder falsch. Ein Verhalten funktioniert oder funktioniert eben nicht. Ein Verhalten ist gefährlich oder sicher. In Anwesenheit des Halters ist das Ausräumen des Mülleimers meist gefährlich, weil dieser schimpft oder andere Sanktionen setzt. Am Tisch zu tanzen ist auch nur ungefährlich, wenn der Halter nicht anwesend ist. Wir wissen, dass unsere Hunde nie ganz erwachsen werden.

 

Maßnahmen - nur ein sehr kurzer Abriss dieses komplexen Themas:

Neben dem Alleinsein-Training in kleinen Schritten (mit wenigen Minuten beginnend und entspannt in der inneren Gemütslage, dass es völlig normal ist jetzt zig Male für ein paar Minütchen um den Häuserblock zu gehen, alles in ein Ritual eingepackt....) ist es wichtig, sich mit dem Hund beschäftigt zu haben und ihm ausreichend Bewegung verschafft zu haben, ehe man ihn über einen längeren Zeitraum alleine läßt. Aber den Hund bitte nicht aufputschen!! Er darf nicht überdreht sein. Bevor man weg geht, muss er sich wieder in einem entspannten Zustand befinden. Ebenso wie Ihr Hund müssen auch Sie selbst innerlich ruhig und entspannt sein. Arbeit mit unseren Tieren ist teilweise auch Arbeit an uns selbst. Nutzen Sie Ihre Vorstellungskraft und malen Sie ein Bild, wie Ihr Hund ruhig und gelassen alleine bleibt. Gedanken können machtvoller sein, als man glaubt.

Man sagt dem Hund, dass man weg geht. Es ist nur fair ihm mitzuteilen, dass er nun für eine gewisse Zeit alleine bleiben wird. Vorhersagbarkeit ist das Stichwort. Dies kann man in ein Ritual einbetten wie ein Kaustangerl geben und etwas sagen wie „Frauli kommt bald“. Gerade bei jüngeren Hunden ist es hilfreich dem Jungspund einen Kauknochen oder ein Snackspielzeug, einen gefüllten Kong oder ähnliches zu überlassen. Dies dient einerseits der Beschäftigung und andererseits beruhigt kauen. Bei manchen Hunden erfordert dieses Training sehr viel Geduld. Mein eigener Hund war auch ein schwieriger Kandidat und ein wichtiger Lehrer vor 11,5 Jahren . Er brachte alle schwierigen Komponenten mit, denn er war mit etwa 4-5 Wochen ausgesetzt worden und war bereits traumatisiert. Von Urvertrauen keine Spur und ich war seine Ersatzmutter und damals wohl auch sehr menschlich in meinem Mitgefühl.

Angststörungen unterschiedlicher Ausprägungen finden sich bei Hunden und Katzen häufiger, als Mensch denkt. Die trennungsbedingte Angststörung beim Hund oder die angstgestörte Katze, die ihr Leben unter dem Bett, auf dem Schrank fristet sind nur ein Ausschnitt. Die Gute Nachricht lautet: ES KANN GEHOLFEN WERDEN!

In der Ruhe, der Liebe, der Geduld und ihm Einfühlungsvermögen liegen auch hier die Kraft.



   
© Elke Söllner