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Aggressives Verhalten Katze - ein Abriss

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cat on the treeFast jeder Katzenhalter hat schon die Krallen oder sogar die Zähne seiner geliebten Samtpfote zu spüren bekommen. Zumindest in ihren jugendlichen Sturm- und Drangphasen. Katzen sind und bleiben Raubtiere mit messerscharfen Krallen und um nichts weniger gefährlich werden könnenden Zähnen. Von Katzen zugefügte Verletzungen müssen unbedingt ärztlich versorgt werden, da es rasch zu bösen Infektionen kommen kann.

Der Situation angemessen aggressives Verhalten ist normal und zählt daher zum physiologischen Verhaltensrepertoire der Katze. Wenn wir Menschen, insbesondere bei reiner Wohnungshaltung der Katze, nicht auf die spezifischen Bedürfnisses unseres Wohnungstigers Rücksicht nehmen, kann es leicht zu Verhaltensauffälligkeiten oder Verhaltensstörungen kommen. Hier ist die Wohnraumgestaltung ebenso gefragt wie Beschäftigungsmöglichkeiten (der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt), ganz im Sinne der Ökoethologie der Katze.

Die Ursachen für unangemessen aggressives Verhalten sind vielfältig und bedürfen immer der genauen Prüfung durch die Fachfrau oder den Fachmann! 

Grundsätzlich können wir zwischen defensiv und offensiv aggressivem Verhalten unterscheiden. Daneben lässt sich aber auch häufig eine ambivalente Haltung der Katze beobachten (Körperhaltung und Ausdrucksverhalten beobachten, beschreiben, Vorsicht vor Interpretationen).

Beispiele für defensiv wären eine geduckte Körperhaltung, ein eingezogener Schwanz wie ebenso eingezogener Hals, die Pupillen sind weit (Lichteinfall berücksichtigen), die Ohren seitlich am Kopf, es kann eine Pfote zur Abwehr erhoben sein oder die Katze kann sich bereits in Seitenlage mir ihren vier abwehrenden Pfoten befinden.

Beispiele für offensiv wäre eine aufrechte Körperhaltung, die Katze ist hinten höher als vorne und der Rücken ist mehr oder weniger gerade, die Ohren sind bei offensiver Haltung schräg nach hinten angelegt und die Pupillen sind eng oder weit. Interessant ist auch hier die Schwanzhaltung! Der Schwanz ist gebogen und mit der Spitze weist er Richtung Boden. Man kann sich dies wie ein verkehrtes U vorstellen. Die Hinterbeine sind durchgestreckt und typisch ist zudem der steife Gang.

Beispiel für eine ambivalente Haltung ist der für die Katze so typische Katzenbuckel mit gesträubtem Fell. Auch hier wird der Schwanz wie ein verkehrtes U gehalten. Sie zeigt sich in Breitseite, in Imponierhaltung. Aus dieser Imponierhaltung heraus kann dann die Katze, je nach Situation, in einen Angriff oder in Flucht übergehen.

Wichtig ist hier wie bei jedem Verhalten, den Kontext zu beschreiben wie etwa WO, WANN, mit WEM oder bei welchen Aktivitäten oder Interaktionen tritt das aggressive Verhalten auf?

Zu aggressivem Verhalten zählen bei der Katze auch die sogenannten „Sitzblockaden“ oder das „Anstarren“. Wie gesagt, Katzen kommunzieren sehr subtil und vieles bleibt dem menschlichen Augen verborgen. Insbesondere, wenn dieser den ganzen Tag abwesend ist.


Zudem kann zwischen Spielaggression und Jagdaggression unterschieden werden:

  • Jagdverhalten hat im Gegensatz zum Spiel, eine organisiert klare Verhaltenssequenz.
  • Kennzeichnend für das Spiel ist, dass die Verhaltenselemente wahllos abwechseln und dass alle Teilnehmer Spaß daran haben. So finden sich viele Verhaltenselemente der Jagd im Spiel und die Übergänge zwischen Spiel und Jagd sind oft fließend. Im Spiel lernt die Katze wie jedes andere Jungtier auch, die Kontrolle über die motorische Aktivtät und die Intensität des Kratzens und Zubeißens wird erlernt (→ Beisshemmung). Hier ist besonders die sensible Phase von der 2. - 7. Lebenswoche zu erwähnen.
  • Sehr wichtig ist zudem, dass die junge Katze durch das Spiel mit Geschwistern und durch die Erziehung der Mutter im Alter bis zur 9. - 12. Lebenswoche emotionale Selbstkontrolle lernt. Katzen lernen im Spiel und im sozialen Umgang mit Seinesgleichen die Kontrolle über Zubeissen und den Einsatz ihrer Krallen. Das soziale Spiel wird ab der 3. Lebenswoche mit Geschwistern und der Katzenmutter erlernt. Daher sollte man Katzen nie zu jung aus der Katzenfamilie zu sich nehmen. Man nimmt der kleinen Katze unglaubliche Lernchancen, die für den Rest des Lebens wichtig sind. Auch wir Menschen sollten nie rauhes Spiel mit unseren Jungkatzen fördern oder die Katze mit unseren Händen spielen lassen. Es gibt Alternativen an Spielzeugen im Handel, im Haushalt, selbst gebastelt. Es braucht nicht viel um unseren Stubentiger eine tolles Spiel mit Jagdeinlagen zu beschehren.

    Heftige Spielaggression kann zudem ein Symptom für eine Hyperaktivitätsstörung, einer dyssozialen Persönlichkeitsstörung oder einer Störung durch mangelnde Stimulation in einer reizarmen Umwelt sein.

  • Umgerichtete Aggression kommt häufig vor und kann eine Katzenfreundschaft zerbrechen lassen. Das klassische Beispiel ist Kater „Leo“, der auf der Fensterbank sitzt und im Garten vor dem Fenster, der Terrassentüre Nachbars Kater durch sein Revier marschieren und vielleicht noch markieren sieht. Da er nicht hinaus kann um den Eindringling zu vertreiben, reagiert er seine aufgestaute Energie an seiner alten Freundin „Ginger“ ab, die sich leider genau zu diesem Zeitpunkt an seine grüne Seite begeben will, weil es am Fenterbankerl gar so warm und nett ist. Mit Glück bleibt es bei dieser einmaligen Attacke. Leider ist dies nicht immer der Fall, denn: Für „Leo“ mag die Sache erledigt sein. „Ginger“ kann sich aber so erschreckt haben, dass sie in dieser Angst bleibt und als Folge bei jeder neuerlichen Begegnung mit "Leo" aus Selbstschutz heraus nun aggressiv auf "Leo" reagiert. Die Freundschaft ist zerbrochen. Solch zerbrochene Katzenfreundschaften sind übel. Mit viel Geduld kann man unter Umständen eine neue Freundschaft zwischen den beiden aufbauen, doch leider klappt dies nicht immer.
  • Sehr häufig findet sich bei der Wohungskatze das „Problem“ des umgerichteten Jagdverhaltens. Sehr häufig ist das Raubtier Katze bei reiner Wohnungshaltung schwer unterfordert und so richtet sie ihr Jagdverhalten, ihre überschüssigen und oft aufgestauten Energien gegen ALLE mehr oder weniger bewegten Objekte. Dazu zählen auch alle bewegten menschlichen Körperteile wie Füsse, Hände, Beine und sogar der Kopf. Auch Hunger durch etwa restriktive Fütterung kann umgerichtetes Jagdverhalten auslösen.
  • Katzen suchen zwar oft unsere Nähe, legen sich vielleicht auf unseren Schoß, wollen aber nicht immer gestreichelt werden. Noch öfter entgehen uns ihre Warnsignale und so greift unser Stubentiger dann zu deutlicheren Massnahmen. Hat eine Katze einmal gelernt, dass ihre subtilen kätzischen Warnsignale vom Menschen nie wahrgenommen geschweigedenn respektiert werden, wird sie immer rascher zu eindeutigeren Zeichen ihres Unmuts greifen! Jedes Tier spricht in seiner Sprache, wir dürfen uns bemühen ihre Sprache zu erlernen und ich unterstütze Sie gerne darin! Es hat sehr viel mit Wahrnehmungsschulung zu tun – das als kleiner Tipp vorweg. Kinder lernen die Fremdsprache Hündisch, Kätzisch, Pferdisch... oft spielerisch einfach, wie jede andere Fremdsprache auch. Wir Erwachsenen brauchen manchmal Nachhilfeunterricht wie bei jeder anderen Fremdsprache.

Inwieweit es sich um eine wirkliche Verhaltensstörung handelt, kann ich nur durch ein persönliches Gespräch erfassen. Zum Glück gibt es einen reichen Pool an Werkzeugen aus den Bereichen der Spieltherapie und der ökoethologischen Therapie.




   
© Elke Söllner