Weiterempfehlen  

   

Kluge Ratte

Details

RatteRatten verursachen bei vielen Menschen ein Gefühl des Unbehagens bis hin zu einem gewissen Grausen. Viele assoziieren mit ihnen in erster Linie die Übertragung gefährlicher Krankheitskeime wie jener der Pest. Heute lernt man freilich bereits in der Schule, dass nicht die Ratte der Träger der Pest-Erreger gewesen war. Die Pest wurde vom Rattenfloh übertragen und die Ratten erkrankten und starben an der Pest ebenso wie die Menschen. Gewöhnungsbedürftig ist der lange nackte Schwanz der Ratte. Der umgangssprachliche „Rattenschwanz“ kommt nicht von ungefähr.

Dann gibt’s die nicht zu unterschätzende Zahl wahrer Rattenfreunde! Der wohl bekannteste und prominenteste Rattenfreund in Deutschland ist Günter Grass. „Die Blechtrommel“ ist nur einer seiner bekanntesten Romane. 2012 wurde Grass von der dänischen Europäischen Bewegung (Europabevægelsen) mit dem Ehrentitel „Europäer des Jahres 2012“ ausgezeichnet.

Die Ratte – ein Kulturfolger! Faszinierend, wie sie es schaffte im Gefolge des Menschen die Welt zu erobern. Weltweit lassen sich über 60 Ratten unterscheiden, von denen nur einige zumindest zeitweilig in der Umgebung des Menschen leben. Dazu zählen die Wanderratte, die Hausratte, die Pazifische Ratte, die kletteruntaugliche Reisfeldratte, die Himalajaratte sowie Rattus pyctoris.

Aller Wahrscheinlichkeit nach schaffte es die Hauratte als sogenannte Schiffratte, seit der Antike ihr Verbreitungsgebiet auszudehnen. Die Wanderratte hat vermutlich erst im 18. Jahrhundert Mitteleuropa erreicht und verdrängte im 20.Jahrhundert weitgehend die Hausratte.

Wanderratten werden in Tierversuchen als Laborratten häufig eingesetzt. Durch spezielle Zuchtwahl wurde die Farbratte aus der Wanderratte gezüchtet. Traurig, denn Ratten sind nicht nur hoch soziale sondern auch höchst intelligente Tiere. Auch die Verhaltensforschung, mit ihren zu allen Zeiten beliebten Labyrinthversuchsmethoden, war von Tierquälerei nicht ausgeschlossen.

Die Inder wussten es besser und lebten mit Ratten in einer besonders engen Kommensalität (Ernährungsgemeinschaft). Daher ist eine Annahme, dass die Heimat der Hausratte in Indien liegt. In der hinduistischen Mythologie gilt die Ratte als Reittier des Gottes Ganesha. Freilich ist dies symbolisch zu verstehen. Ganesha ist der Gott mit dem Elefantenkopf, der Sohn Shivas und seiner Gemahlin Devi und erfreut sich bis heute großer Beliebtheit.

Welch Überlebenskünstler müssen Ratten sein, werden sie doch seit Jahrhunderten verfolgt, gejagt, vergiftet, erschlagen, ausgeräuchert. Kein anderes Säugetier hätte eine Überlebenschance. Die Ratte aber, sie passt sich immer wieder an, findet neue Schlupflöcher, trickst uns Menschen vielleicht sogar aus. Und, sie bindet sich sogar an uns Menschen und geht eine echte Freundschaft mit uns ein.

Die Ratte erfreut sich nicht erst seit gestern als Haustier großer Beliebtheit und sie werden bei ausreichender Beschäftigung rasch zutraulich und zahm. Obgleich Ratten dämmerungs- und nachtaktiv sind, passen sie ihren Tagesrhythmus durchaus auch ihrem Halter an. Wie bereits eingangs erwähnt, stammt die mittlerweile in diversen Wohnzimmern ansässige Farbratte ursprünglich von der Wanderratte ab. Ratten sind sehr sozial und leben in Gruppenverbänden, daher sollte sie auch nicht allein gehalten werden. Zudem macht es viel Freude Ratten im Miteinander zu beobachten. Ratten bleiben sich selbst immer treu, sie bleiben immer Ratte und bauen gleichzeitig eine echte Beziehung zu ihrem Menschen auf.

Ein Käfig alleine ist zu wenig, auch Ratten brauchen „Freilauf“ und da können auch schon mal Möbel angeknabbert werden. Ratten haben durchaus einen leichten Eigengeruch, wie jedes Lebewesen. Wenn es aber stinkt, dann liegt dies an der mangelnden Hygiene des Käfigs, der Käfigeinrichtung durch uns Menschen.

Sowie jedes andere Haustier auch, so haben auch Ratten Bedürfnisse, denen wir gerecht werden müssen. Wie bereist erwähnt leben Ratten in Gruppen, sie sind KEINE Einzelgänger. Daher sollten Ratten nie in Einzelhaft gehalten werden. Sie brauchen Sozialkontakte zu Artgenossen und ein Mensch kann einen Artgenossen niemals ersetzen! Ratten brauchen Platz! Auch dies sei zu bedenken, wenn man sich eine Ratte bzw. eine Rattengruppe anschafft. Neben Platz muss man ihnen Klettermöglichkeiten, Rückzugsmöglichkeiten, Nistmaterial, Äste für den Zahnabrieb und einiges mehr bieten. Und bitte nicht vergessen: AUCH Ratten kosten Geld! Und nicht erst beim Tierarzt. Es ist sehr wichtig, sich mit seinen Ratten zu beschäftigen, so groß und toll kann der Käfig gar nicht sein. Ihr Vertrauen und ihre Zuneigung muss man schon gewinnen.

Ratten sind keine reinen Vegetarier! Wie bei allen anderen Haustieren ist auch bei Ihnen auf eine ausgewogene, artgerechte Ernährung zu achten.

 

 

 

   
© Elke Söllner