HUNDE BELLEN

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Kategorie: Blog
Veröffentlicht am Donnerstag, 31. Oktober 2013 12:40
Geschrieben von Elke Söllner admin
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Ja, Hunde können bellen! Ich persönlich gehe mit Hundegebell relativ tolerant um. Denn, es ist eben ein Hund und im Zuge seiner Domestikation sowie Anpassung an uns viel und gerne plappernde Spezies lernten auch Hunde eine vermehrte Lautgebung als Kommunikationsmittel einzusetzen. Hunde lernen: habe ich mit dem Verhalten Erfolg oder eben keinen Erfolg. Zum Erfolg führendes Verhalten wird natürlich wieder eingesetzt. Ist das Verhalten sicher oder gefährlich in dieser oder jener Situation? Ist es sicher, wird es wieder angewandt. Und manchmal ist Bellen einfach nur Ausdruck einer Gefühlslage. Teilweise haben uns unsere vierbeinigen Freunde sehr gut mit ihrem Gejaule, Gewimmer, Gebelle erzogen. Ich nehme micht nicht davon aus. Mein jetziger Hund ist eine wahre Plaudertasche. Er hat immer etwas zu sagen und er weiß, dass ich zuhöre. Aber, während wir Menschen rascher auf verbale Signale reagieren, lernen Hunde grundsätzlich leichter Sichtzeichen. Das ist für Ausbildung, Erziehung, Training wichtig zu wissen.

Wie dem auch sei, Bellen ist nicht gleich Bellen. Es gibt bellfreudigere Rassen / Hunde und weniger bellfreudige Exemplare. Hier spielen etwa Veranlagung, Erziehung, Erregungsniveau oder Stresslevel mit hinein. Die Bestätigung durch uns Menschen für das Bellen ist ein zusätzlich nicht zu unterschätzender Faktor. Wenn etwa der Hund am Zaun bellt und wir „schimpfen eifrig mit“, dann ist das für den Hund wie, als würden wir mitmachen, quasi mitbellen und so spornen wir ihn nur noch mehr an.

Für manche Hunde bedeutet sogar angeschrien zu werden endlich Zuwendung und Aufmerksamkeit zu erhalten. Daher ist oft simples Ignorieren des Bellens in Kombination mit dem bekräftigen des erwünschten ruhigen Verhaltens ein probates Mittel. Aber Hunde haben viel Ausdauer, wenn sie mit ihrem Verhalten schon mal erfolgreich waren. Sie wollen etwa den Hund aus dem Schlafzimmer verbannen? Um sein Gejammer, Gekratze und Gejaule an der geschlossenen Türe auszulöschen müssen sie einen langen Atem haben. Sie müssen mehr Ausdauer als ihr Hund an den Tag legen. Öffnen sie zwischendurch die Türe um „Ruhe“/“Aus“ zu sagen oder lassen ihn gar ein, wird er noch mehr Ausdauer entwickeln das nächste Mal. Es ist wie mit dem Einarmigen Banditen in einer Spielhalle: irgendwann hat man ja doch wieder Erfolg. Beim Auslöschen eines Verhaltens kommt es noch dazu zuerst zu einer Verschlechterung ehe eine dauerhafte Besserung und Auslöschung des unerwünschten Verhaltens eintritt. Verhält sich unser Hund ruhig hinter der verschlossenen Türe, kann man diese öffnen und den Vierbeiner loben. Natürlich muss dem Hund parallel ein sehr attraktiver Schlaf- und Ruheplatz angeboten werden. Hinzu etwas zum Kauen (kauen beruhigt) oder einen gefüllten Kong oder ein ähnliches mit Futter gefülltes Spielzeug. Allerdings wird das nicht immer angenommen. Angst und Panik soll der Hund nicht haben. Ich unterscheide deutlich zwischen einem Hund mit wirklicher Trennungsangst und mit einem Hund der gerade einen Kontrollverlust erleidet. Sie sehen, in der Arbeit am Verhalten eines Tieres sind viele Parameter zu berücksichtigen. Die 0815-Lösung gibt es nicht. Man darf kreativ sein.

Warum bellt nun mein Hund?

Hinzu kommt zur genaueren Unterscheidung natürlich noch ein jeweils bestimmtes Klangbild des Bellens. Jeder Hundehalter weiß ob der Unterschiede des jeweiligen WAU WAU seines Hundes.

Dann, wie bewegt sich der Hund während des Bellens? Der aus Freude bellende Hund springt und hüpft und läuft häufig aufgeregt umher. Wichtig zu wissen ist, wir können dem Hund durchaus helfen sich zu beruhigen. Es gibt aber freilich individuelle Unterschiede. Der eine läßt sich schon durch ein ruhiges „sitz“ beruhigen während der andere sich mal kurz ausbellen muss und wir ihm dann helfen von seinem Erregungslevel runter zu kommen. Manche Hunde sind schlicht nicht erzogen und müssen eine bessere Selbstkontrolle lernen.

Es gibt sehr gestresste Hunde mit denen man schon über einen längeren Zeitraum mit viel Ruhe und Geduld und Gelassenheit üben muss. Dazu sind Entspannungsübungen förderlich sowie ein Abbruchsignal zur Orientierung. Nie zu vergessen ist, das erwünschte ruhige Verhalten zu belohnen! Oft konzentrieren wir uns zu wenig auf das erwünschte ruhige Verhalten, es "geht einfach unter". Stress ist bei unseren Hunden zu einem häufigen Problem geworden und mit lauten barschen Befehlen, Herumgeschreie, hunderte Siganlwiederholungen helfen wir weder dem Hund noch uns. Ein gestresster Hund kann sich durch die Ausschüttung von Stresshormonen nicht von jetzt auf jetzt konzentrieren und entspannen. Er braucht Zeit und unsere ruhige Hilfe. Als Freundin der Nasenarbeit möchte ich auch diese hier nicht unerwähnt lassen als Beschäftigungsstrategie wie als Mittel der Wahl zur Beruhigung für aufgeregte Naturen.

Beim Belohnen ist immer wieder darauf zu achten, WAS ich eigentlich belohne. Wie bereits erwähnt wird mein ewiges Geschimpfe von meinem Hund häufig als Aufmerksamkeit wahrgenommen und somit wird er weiter machen wie bisher.  Beim Aufmerksamkeitsbellen ist ignorieren ein probates Mittel. Wenn er dann still ist wird er belohnt. Vorsicht auch mit Ablenkungsstrategien. Damit kann es dann in Folge zu einem erlernten Verhalten kommen.

Das Freudengebell kennen wir hoffentlich alle! Es zeigt sich in rasch aufeinanderfolgenenden Belllauten in hoher Tonlage. Zudem scheint der ganze Hundekörper in Bewegung zu sein.

Im Gegensatz dazu ist das Warnbellen etwa häufig ein kürzerer tiefer und oft einziger Beller. Auf diesen dürfen wir Menschen ruhig reagieren und dem Hund zeigen, dass wir die Situation im Griff haben als Verantwortungsträger im Hunde-Mensch-Gespann und alles ok ist. Generell löst Warnbellen Fluchtverhalten aus.

ANGSTbellen zeigt unterschiedliche Ausprägungen. Etwa die Angst vor einem unbekannten Objekt. Hier können wir dem Hund simpel helfen sich das seltsame Ding mit uns näher zu betrachten. Sie beobachten uns sehr genau und durch unsere vertrauensvolle Beziehung wird der Hund sich getrauen das Ding zu beschnuppern, sich ihm anzunähern. Grundstock ist immer die vertrauensvolle Bindung und Beziehung zwischen Mensch und Hund. Bei Angst und Stress ist das Bewegungsmuster des Hundes eher auf der aktiven Seite. Bei Angst ist generell ein vorsichtiges Vorgehen im Training angezeigt. Rasch kann Angstbellen in Selbstverteidigung umschlagen. Hier ist oft Fingerspitzengefühl gefragt und ein Schritt für Schritt vorgehen angezeigt. Erst wenn ein Schritt wirklich sitzt, darf man zum nächsten übergehen. Angst darf sich nicht in Panik hochschaukeln. Wir können viel tun um dem Hund zu helfen, aus seiner Angst heraus zu kommen.

Hunde lernen sehr viel über Assoziationen und Verknüpfungen. DAS zu wissen hilft uns im Umgang mit unseren Vierbeinern und können wir uns sinnvoll zunutze machen. Hunde hören sehr gut und lesen unsere Körpersprache, unser Ausdrucksverhalten permanent! Wir brauchen nie zu schreien oder alles hunderte Male zu wiederholen.

Traumatisierte Tiere liegen mir besonders am Herzen. Wir wissen heute, dass auch Tiere unter posttraumatischen Stress inklusive flashbacks leiden können. Tiere sind keine Maschinen, sie sind fühlende Geschöpfe, die unser Verstehen und unser Einfühlungsvermögen verdienen.

Ganz schlimm ist auch ein Bellen aus Verzweiflung. Es ist einem Hund anzuhören, was er sagt, was hinter dem Bellen steckt. So wie einem Kleinkind, wenn es weint oder schreit.

Insbesondere traumatische Erfahrungen im Welpenalter hinterlassen ihre Spuren. Zudem werden Stresshormone von der Mutter auf die Welpen im Mutterleib übertragen. Viele Faktoren spielen mit hinein, mit welchen Ängsten unser Hund später zu kämpfen hat. Ein bei einem Züchter isoliert aufgewachsener Welpe wird plötzlich in die Stadt verfrachtet 10000 Tode auf der Straße ausstehen. Die genetische Veranlagung ist auch nicht zu unterschätzen. So oder so kann man mit viel Liebe und Geduld sehr viel erreichen und einem harmonischen Zusammenleben steht nichts im Wege.

 

Dies war nur ein kurzer Abriss. Wie ich so gerne sage: Kinder schreien und Hunde bellen! Meiner Meinung nach dürfen Hunde bellen. Wir dürfen aber auch einen gewissen Rahmen abstecken und müssen uns nicht terrorisieren lassen. Ein gut erzogener Hund ist auch ein Hund, der viel mehr Freiheiten genießt und den wir überall mit hinnehmen können. Mit dem wir gerne gesehen werden. Ich empfinde es etwa als sehr angenehm, dass mein Hund ein ruhiges Sitz einnimmt, wenn ich einen Bekannten auf der Straße treffe und mit ihm ins Plaudern komme. Umgekehrt bin ich tolerant, dass mein Hund einen Tag lang aufgeregt kläfft, wenn er nach Wochen oder gar Monaten erstmalig wieder im Hause meiner Eltern ist und dort auch noch vier Kinder durch die Gegend wuseln, nebst Katzen und Gästen. Da ist einerseits die Freude groß, aber auch der Stresslevel erhöht. Nach und nach helfe ich ihm dann wieder runter zu kommen und sich zu beruhigen. Zwischenzeitliche ruhige Spaziergänge mit vielleicht ein wenig Nasenarbeitspiel helfen zusätzlich. Ein Rückzugsgebiet zu schaffen ist auch wichtig. Dieses ist für die Kinder absolut tabu. Insbesondere wenn Hunde älter werden ist das sehr wichtig.