MIAU,MIAU,MIAU-Vokalisieren der Katze - ein Abriss

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Kategorie: Blog
Veröffentlicht am Sonntag, 11. Oktober 2015 09:16
Geschrieben von Elke Söllner
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katzenmutterglckMiau ist nicht gleich Miau. Es gibt unterschiedliche Gründe und Ursachen für ein vermehrtes Vokalisieren unserer Stubentiger. Daher ist es für mich als Tierpsychologin sehr wichtig zu erfahren, WIE dies Miauen im Einzelnen aussieht, WANN es vermehrt gezeigt wird, WIE die Sequenzen sind, WIE der Mensch bisher darauf reagierte, WELCHE Maßnahmen bereits gesetzt wurden und ob eventuell weitere Verhaltensauffälligkeiten beobachtet wurden.

Selbstverständlich zählt Miauen grundsätzlich zum Normalverhalten von Frau und Herr Katze. Auch wenn deutliche rassespezifische (orientalische Rassen etwa sind gesprächiger) sowie individuelle Unterschiede vorliegen, bringen Katzen großteils uns Menschen zuliebe ihr Miauen zur Perfektion. Wir Menschen kommunizieren überwiegend verbal und reagieren daher auch rascher auf verbale Signale unserer Haustiere. Katzen passten sich uns Menschen an, denn untereinander kommunizieren sie überwiegend über andere Kommunikationsformen wie etwa über Gerüche und körpersprachliches Ausdrucksverhalten.

 Katzen erreichen mühelos, was uns Menschen versagt bleibt: durchs Leben zu gehen, ohne Lärm zu machen.“ (Ernest Hemingway)

Durchaus kann es sich bei vermehrt auftrendem Vokalisieren auch um eine Verhaltensauffälligkeit, eine Verhaltensstörung oder eine dahinter liegende organischen Erkrankung handeln.

An oberster Stelle steht daher eine genaue tierärztliche Abklärung, denn auf organischer Ebene gibt es verschiedene mögliche Ursachen, wie

  1. Taubheit

  2. Senilität, Demenz

  3. Schilddrüsenerkrankungen

  4. Erkrankungen des ZNS (inklusive Tumore)

  5. Bluthochdruck

  6. Schmerzhafte Erkrankungen

Da die Ursachen mannigfaltig sein können, sind nach dieser Abklärung Art, Zeit und Häufigkeit sowie die Rahmen- und Umfeldbedingungen des Auftretens aussagekräftig. Verhalten ist immer ein sehr komplexes Geschehen und daher grundsätzlich im Gesamtkontext zu betrachten.

 

Beispiele für Maßnahmen, die Fingerspitzengefühl erfordern

So sind ausreichend Kratzmöglichkeiten zum Spannungs- und Stressabbau und zur Reviermarkierung an den richtigen Stellen genauso essentiell wie Spieltherapie und eine angemessene katzengerechte Umfeldgestaltung.

Mit anderen Worten dürfen wir auch hier wie bei jeder Verhaltensauffälligkeit, die Ursache finden und diese beheben. Bei den rassebedingten Plaudertaschen dürfen wir uns an der Kommunikationsfreude unsere Samtpfoten erfreuen. Aufmerksamkeitsheischendes Verhalten ist generell besser nicht zu unterstützen.

Wir arbeiten auch hier wieder auf verschiedenen Ebenen mit unserer Samtpfote. Alles andere ist vergebene Liebesmüh´. Selbstredend ist Bestrafung absolut kontraproduktiv.

Es gibt wieder einen Pool an Werkzeugen um Mensch und Tier zu einem harmonischen Miteinander zu verhelfen. Ohne die aktive Mitarbeit des Tierhalters geht es auch in diesem Fall nicht. Oft ist ein Umdenken und Umlernen des Menschen erforderlich, damit es zu einer Verhaltensänderung kommen kann. Bewusste und unbewusste Bestätigungen des unerwünschten Verhaltens etwa müssen unterlassen werden. Das ist oft schwerer getan als gesagt. Ein vollberufstätiger Tierhalter hat oft schlicht zu wenig Zeit für seine vierbeinigen Mitbewohner. In solch Fällen ist eine kompatible (!) Partnerkatze anzudenken bzw. ist es oft der verantwortungsvollste Weg, einen neuen guten Platz zu suchen und zu finden. In jedem Fall bedeutet es Zeit, Geduld, Konsequenz und auch eine Portion Gelassenheit um Erfolge zu erzielen.

 

Da die Maßnahmen immer individuell abgestimmt werden, kann ich hier keinen allgemein gültigen Therapieplan erstellen.