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Das Pferd - ein Fluchttier

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Pferdefreunde und Reiter wispferdeherdesen es: Angst und Vorsicht sind wesentliche Aspekte des Wesens eines Pferdes. Warum? Ihre einzige Überlebenschance in der Natur ist möglichst wachsam zu sein um Gefahren wie Raubtiere frühzeitig wahrzunehmen und dann möglichst rasch das Weite zu suchen. Es ist ihr natürlicher Instinkt davon zu laufen und in freier Wildbahn auch äußerst sinnvoll. Daher sind Angst gepaart mit Vorsicht größer als alles und in der Natur zur Erhaltung der Art überlebenswichtig. Das Pferd verhält sich wie ein Pferd. Es weiß nicht, was richtig oder falsch ist. Pferde gehen wie alle Tiere den Weg des geringsten Widerstandes. Wir Menschen im Prinzip auch, sofern wir die Möglichkeit dazu haben. Wenn wir uns vor etwas fürchten, sind wir ebenfalls bemüht uns möglichst rasch vom Auslöser der Angst zu entfernen. Die Distanz zu vergrößern.

Da Angst und Vorsicht beim Fluchttier Pferd das Überleben sichern, sind sie tief verankert. Aus diesem Grund kann man Angst einem Pferd nicht einfach austreiben und müssen sie als gegeben hinnehmen. Aber, wir können ihm lehren mit dieser Angst umzugehen, ihm beibringen seine Ängste zu kontrollieren. Hat das Pferd etwa bei einem Ausritt Angst vor einem konkreten Objekt, zeigen wir ihm dieses Objekt und es wird sich beruhigen. Unter sicheren Rahmenbedingungen wie in einem Roundpen können wir gezielter vorgehen. Wir bringen dem Pferd verschiedene Dinge des Lebens, der Umwelt näher. So machen wir es etwa mit Planen, Regenschirmen, kläffenden Hunden, Motorengeräuschen... vertrauter und vor allem bringen wir ihm in solch Situationen mit viel Ruhe bei, selbst seine Ängste kontrollieren zu lernen. DAS ist der wesentliche Punkt und funktioniert nur schmerzfrei! Es ist sehr wichtig, dass das Pferd im Trainingsprozess ruhig bleibt. Nur so ist lernen überhaupt möglich. Stress und Schmerz verhindern Konzentration und Lernen. Nach dem Training sollte das Pferd dementsprechend ruhiger sein als zuvor.

Wenn wir mit einem Pferd arbeiten, müssen wir sie aus ganzheitlicher Sicht betrachten. Diese bedeutet die Berücksichtigung der geistigen, körperlichen und emotionalen Fähigkeiten. Der Trainingsfortschritt hängt nun von jener Ebene ab, die sich am langsamsten entwickelt.

Auf körperliche Ebene hat etwa ein Pferd mit sechs Monaten noch nicht die körperlichen Voraussetzungen um geritten zu werden. ABER, auf geistiger und emotionaler Ebene sind sie bereits lernfähig. So kann man es etwa lehren von Menschen Hand geführt zu werden, die Hufe zur Hufpflege zu heben, sich verladen zu lassen. Auch ein zweijähriger ist noch nicht körperlich ausgereift und seine Koordinationsfähigkeit lässt auch noch zu Wünschen übrig.

Auf geistiger Ebene darf ich mir die Frage stellen, ob unser Pferd auch alles versteht, was ich von ihm will und ob es alles verarbeitet. Die Lerngeschwindigkeit ist unter Pferden genauso unterschiedlich wie bei allen anderen Lebewesen auch.

Auch auf der emotionale Ebene ist es sehr wichtig unser Pferd gut zu beobachten, unsere Wahrnehmung für unser Pferd zu schulen. Etwa wie gut kann unser Pferd mit Stress und Drucksituationen umgehen? Ist es befähigt sich angemessen zu entspannen oder rennt es pausenlos auf Hochtouren und ist hypervigilant? Denn dann müssen wir ihm helfen seine Emotionen zu kontrollieren und besser damit umzugehen.

Neben der Sicherheit des Pferdes muss natürlich auch immer die Sicherheit des Menschen während des Trainings gewährleistet sein. Im Endeffekt ist ein Pferd immer stärker als wir und zu solch Kraftproben darf es nie kommen. Sind vollkommen fehl am Platz. Wir wollen ein harmonisches Bild ergeben mit unserm Pferd. Ein Miteinander und kein Gegeneinander.

Unter Pferden ist die soziale Rangordnung genau strukturiert. Bei meinem Bruder in Mittermühl NÖ kann man unter den eingestellten Pensionspferden wunderbar diese Strukturen beobachten. Durch die Offenstallhaltung und die großen Weideflächen haben sie die Chance ihr natürliches Pferdeverhalten auszuleben. Es ist eine wahre Wonne sie bei ihren Wanderungen und der Pflege ihrer Sozialkontakte zu beobachten.



   
© Elke Söllner