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Hund

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Treuer Begleiter

happy beardie

Der Hund ist das älteste Haustier. Heute scheint es als gesichert, dass der Stammvater unseres Familienhundes („canis lupus familiaris“) der Wolf („canis lupus“) ist. Der bislang älteste Fund eines Hundes stammt aus dem etwa 14.000 Jahre alten Doppelgrab von Oberkassel am Rhein.

„Gedanken wollen oft – wie Kinder und Hunde -, dass man mit ihnen im Freien spazieren geht.“ (Christian Morgenstern)

Mit diesen Worten beschrieb bereits Christian Morgenstern ein wichtiges Grundbedürfnis des Hundes, dem wir Rechnung zu tragen haben: Bewegung! Zudem brauchen Hunde für ein glückliches artgerechtes Leben neben seinen Menschen auch Sozialkontakte zu Artgenossen !

Der Hund ist doppelt sozialisiert: auf Hunde und auf den Menschen.“ (Erik Zimen)

Entscheidet man sich für einen Hund als Haustier, ist es wichtig im Vorfeld seine Erwartung an das Zusammenleben zu überdenken. Nicht jede Rasse paßt zu jedem Menschen sowie nicht jeder Mensch zu jeder Rasse passt. Im Zusammenleben mit einem Hund ist die berechenbare Kommunikation und das sinnvolle Festlegen von Richtlinien und Rahmenbedingungen sehr wichtig! Der Hund braucht eine Bezugsperson, auf die er sich verlassen kann. Ein verständnisvoller Umgang mit gegenseitigem Vertrauen sind die Basis für ein glückliches Zusammenleben.

„Der Hund ist ein Hund und wird sich immer wie ein Hund verhalten!“

Daher ist es sehr wichtig die Sprache, das Ausdrucksverhalten, das Wesen des Hundes zu verstehen! Unsere Hunde sind Weltmeister im Lesen unseres Ausdrucksverhaltens. Und wie sieht es umgekehrt aus? Wie der Wolf, so ist auch der Hund ein Rudeltier. In einem Rudel gelten Regeln, Richtlinien und bis zu einem gewissen Grad auch Hierarchien. Kämpfe werden wenn möglich vermieden. Das Verhaltensrepertoir unserer Haushunde ist reich an Signalen um Kämpfe zu umgehen oder zumindest nicht ausarten zu lassen. Echte Beschädigungskämpfe finden sich unter gut sozialisierten Rüden selten.

In Wolfs- und Wildhundrudeln werden Welpen von den erwachsenen Tieren erzogen und ihnen Grenzen gesetzt. Bei unseren Haushunden sollte unsere Erziehung mit dem Zeitpunkt der Übernahme (meist mit acht bis zehn Wochen) beginnen. Mit acht Wochen beginnt die Sozialisierungsphase, die erste "sensible Phase". In dieser Phase sind die Welpen besonders offen für bestimmte Reize und somit für Lernen. Hier werden Grundsteine für das restliche Hundleben gelegt. Je mehr der Hundewelpe lernt und kennen lernt, desto weniger gestresst wird er in neuen, ihm ungewohnten Situationen im weiteren Leben sein. Aber alles mit Maß und Ziel! Sonst erreichen wird das Gegenteil und züchten uns einen gestressten, ängstlichen oder hyperaktiven Hund heran. Daher sind aufmerksames Beobachten, Hinschauen und Hinfühlen essentiell. In dieser Phase lernen sie bereits den sehr wichtigen Umgang mit Aggression. SPIEL bedeutet für den kleinen Hund nicht nur Spaß, sondern im Spiel findet Lernen auf unterschiedlichen Ebenen statt.

Erziehung soll sinnvoll ins Alltagsgeschehen integegriert werden und bedeutet nicht endlose, eintönige "Sitz,Platz,Fuss - Einheiten". Sondern, da muss etwa der junge Hundewicht mal warten, bis ich die Zeitung gelesen habe. Aber auch Kuschel- und Streicheleinheiten dürfen nicht zu kurz kommen, denn sie förden das Vertrauen, die Bindung und bieten dem kleinen Welpen Rückhalt. Es soll keine symbiotische Abhängigkeit und damit Hilflosigkeit aus einer zu engen Bindung erwachsen. Ein gesundes Maß an Eigenständigkeit und Selbständigkeit erleichtern dem Hund das Leben gewaltig. Uns auch! Die klare Linie in der Erziehung ist der kürzeste Weg zum Ziel. 

Flexileinen sind für Welpen ungeeignet, da er nicht lernt an der lockeren Leine zu gehen. Zudem ruht auf der Flexileine ständige Spannung und der Hund lernt das Ziehen an der Leine. Ein Hundegeschirr dem Halsband vorzuziehen, damit Halswirbelsäule und Kehlkopf geschont bleiben. Wie ein kleines Kind, so blickt auch der Hundewelpe neugierig in die große weite Welt. Gut geführte Welpenspielstunden sind sinnvoll. Der Kontakt zu gut sozialisierten Althunden ist ein nicht zu unterschätzender Erziehungs- und Lernfaktor. Bewegung an der frischen Luft mit Spiel und Erkundigungen stehen für den Welpen an der Tagesordnung.  Da er noch rasch ermüdet, sind nur begrenzte Spaziergänge anzuraten. Ungestörte Ruhephasen müssen unbedingt eingehalten werden. Er lernt bereits jetzt, dass man nicht alles haben kann, was man will. So lernt er mit kleineren Frustrationen umzugehen und sich langsam in gesunder Selbstkontrolle zu üben.

Ab etwa der 13. Lebenswoche beginnt die Rangordnungsphase, aber nicht zu verstehen einer Alpha-Beta-Gamma-Hierarchie!

Danach folgt mit etwa der 20. Lebenswoche die Rudelordnungsphase und dauert etwa bis zur 28. Lebenswoche. In diese Phase sind gemeinsame Aktivitäten wie leichte Fährtenarbeit, gemeinsame Erkundigungen förderlich für eine gesunde Entwicklung und Bindung.

Eine weitere "sensiblen Phase" ist die der Pubertät. Die Geschlechtsreife setzt etwa ab dem siebenten Monat ein, kleinere Rassen entwicklen sich generell schneller. Plötzlich scheint der junge Hund alles vergessen zu haben, was er zuvor bereits erlernt hatte. In dieser sensiblen Entwicklungsphase, finden äußere wie innere Ausreifungsprozesse statt. Hier gilt einerseits Freiraum gewähren und andererseits souveräne, tolerante, wissende und einfühlsames Leiten. Eine gewisse, für den Halter plötzlich auftretende Schreckhaftigkeit, ist manchesmal zu beobachten. In dieser Phase können sich Ängste heraus kristallisieren. Es ist sehr wichtig, dass die Erziehung bereits VOR der Pubertät voran geschritten ist. Das Kommen auf Rückruf sollte gefestigt sein. Rüden beginnen die Damenwelt zu entdecken und messen sich auch gerne untereinander. Das ist ihm Rahmen unter gleichwertigen Rüden vollkommen in Ordnung und auch sinnvoll. So lernen sie auch ihre eigenen Grenzen kennen sowie ihre Stärken und Schwächen. Oft bleibt es beim reinen Imponieren. Sehr oft ist das Verhalten an der Leine anders als im Freilauf und muss manchmal gut trainiert werden. Niemals mit Leinenruck arbeiten, denn Hunde lernen durch Verknüpfungen. Ein Leinenruck, der ja Schmerz verursacht, wenn ihr Rüde gerade einem Hund "Hallo" sagen will, kann aus einem friedvoll neugieren Hund einen leinenaggressiven Hund machen. Er verknüpt mit dem anderen Hund Schmerz! Wichtig ist auch, nie selbst an der Leine zu zerren. Der Hund soll lernen sich an unserer Körpersprache zu orientieren und an verbalen Signalen. Es entsteht eine unsichtbare Leine. Ein Tipp: für Hunde die ihren Freiraum sehr ausbauen in dieser Phase, ist die Schleppleine anzuraten und nicht nur für das Training. Es ist darauf zu achten, dass die Leine immer locker bleibt! Neben der körperlichen Bewegung, dem Spiel ist auch die geistige Beschäftigung für den Hund Zeit seines Lebens wichtig. Nasenarbeit, Fährtenarbeit liegt jedem Hund im Blut und wirkt zudem entspannend. Aber bitte auch hier nicht zu viel des Guten! Denn Nasenarbeit ist anstrengend (gehemmte Atmung) und daher müssen unbedingt Pausen eingelegt werden.

Die Senioren unter den Hunden berühren mich immer wieder sehr. Im Alter und mit dem Nachlassen ihrer Sinne werden sie mehr und mehr von uns abhängig. Leicht erschrecken sie, wenn sie schlechter sehen und hören. Die Nase funktioniert zumeist bis ins hohe Alter. Die Bewegung bleibt wichtig, muss aber unbedingt angepasst werden. Die Joggingrunden und Radausflüge werden dann alleine unternommen. Gerade größere Rassen bleiben meist von Gelenksproblemen nicht verschont. Die Veterinärmedizin bietet Schmerztherapien in Form von Medikamenten, Goldimplantaten, unterstützender Magnetfeltherapie - um nur einige zu nennen.

Da man sich mit seinem Hund im öffentlichen Raum bewegt, tragt man auch gegenüber der Gesellschaft eine Verantwortung. Es ist immer zu respektieren, dass Menschen Angst vor Hunden haben. An Orten mit vielen Menschen sollte auf die Leine nicht verzichtet werden. Bei manchen Hunden ist durchaus auch ein Maulkorb angezeigt, der aber nicht zu einem Freibrief für unerzogenes oder rüppelhaftes Verhalten werden darf. Immer ist der Hundehalter der Verantwortungsträger und es darf niemals jemand zu Schaden kommen. Daher muss der zum Jagen und Stöbern neigende Hund auch im Wald an die Leine, am besten an die Schleppleine. Hier gilt es den Waldspaziergang möglichst spannend, abwechslungsreich und  interessant zu gestalten. Zumindest einmal pro Tag sollte dem Hund Freilauf ermöglicht werden.

Auch der beste Hund kann eines Tages zubeissen. In seinem Wesen ist er ein Raubtier und Raubtiere können beissen. Deshalb ist er kein böses Tier, sondern einfach „nur“ ein Hund!

Hundefreunschaften

   
© Elke Söllner